Charismatik in Verruf oder wie echt sind heutige Geistwirkungen des Heiligen Geistes?

Ein starkes Thema, welches mich ermutigt diesen Bereich einmal stärker zu beleuchten. Vorausgegangen ist für mich die Tatsache, dass es hier zwei gespaltene Lager gibt. Die einen sind sehr intellektuell und stehen der Charismatik als Irrlehre gegenüber, hier mit dem deutlichen Vorteil sachlicher und nüchterner mit der Bibel umzugehen.

Die anderen sind weniger intellektuell und mehr geistlich bzw. charismatisch und sehen sich den Vorwürfen der ersteren Gruppe gegenüber. Sie scheinen geistlich überbetont zu sein und glauben an die Geistesgaben und die Zungenrede.

Was ist dran und wie unterscheiden wir dies am Besten?

Ich möchte diese Umstände einfach mal ganz sachlich und nüchtern auftrennen, deshalb nenne ich die erste Gruppe einfach mal die »Intellektuellen« und die zweite Gruppe die »Charismatiker«.

Ich möchte jedoch vorausschicken, dass ich keine der beiden Gruppen verurteile oder gegen sie hetzen möchte oder eine hervorhebe. Beide bemühen sich um den Glauben und verherrlichen Jesus Christus. Dazu kommt, dass wir hier auf Erden eine unvollkommene Gemeinde sind, die auch von unseren Schwächen geprägt ist.

Mein Wunsch dieses Artikels ist es eigentlich, beide Gruppen näher zusammen zubringen und, das sie sich für die Stärken des anderen öffnen mögen. Denn was des einen Schwäche, ist des andern Stärke.

Vorteile der Intellektuellen

  1. Sie gehen tiefer, sachlicher und nüchterner an das Wort Gottes heran
  2. Sie sind besser in den Grundsätzen der Lehre gegründet
  3. Sie haben ihre Emotionen besser im Griff

Nachteile der Intellektuellen

  1. Sie sind weniger offen für die Wirkungen des Heiligen Geistes
  2. Sie haben stärkere Kontrollmechanismen, die auch blockieren können
  3. Sie neigen stärker zur Gesetzlichkeit
  4. Sie neigen dazu nur Akademiker zu akzeptieren

Vorteile der Charismatiker

  1. Sie leben die Geistwirkungen des Heiligen Geistes
  2. Sie sind offen für Gottes Wirkungen
  3. Sie leben eine lebendige Theologie

Nachteile der Charismatiker

  1. Sie sind nicht so tief in den Grundsätzen der Lehre gegründet
  2. Sie haben eine höhere Gefahr der geistlichen Manipulation der Gaben
  3. Sie haben eine höhere Gefahr von Irrlehren und Irrlehrern
  4. Sie sind stärker von Emotionen abhängig

Gemeinsame Vorteile beider Gruppen

  1. Beide bemühen sich um den rechten Glauben
  2. Beide leisten gute Missionsarbeit

Gemeinsame Nachteile beider Gruppen

  1. Beide können in den geistlichen Stolz und auch in Gesetzlichkeit abdriften
  2. Das Wort könnte aufgrund fehlender Einsichten zu Fehlinterpretationen führen (siehe 10ten, Geistesgaben etc.)
  3. Abschottung und Abkapselung führt zu verhärteten Fronten

Nun haben wir einige Dinge aufgebröselt, sicher gibt es noch wesentlich mehr, insbesondere auch in Bezug auf die mannigfaltigen Denominationen und Dachverbände. Aber dies soll kein Kompendium werden. Deshalb beschränke ich mich auf den für mich Wesentlichen teil.

Man merkt sehr schnell, dass auf der Nachteilseite der Charismatiker mehr zu finden ist und das ist nicht ganz unberechtigt. Ich habe selbst über 10 Jahre in der Pfingstbewegung zugebracht und später ca. 6 Jahre in einer landeskirchlichen Abspaltung. Daher kann ich bestätigen, dass die Geistesgaben etwas sehr Wunderbares sein können und ich glaube nach wie vor, dass Gott durch den Heiligen Geist auch heute noch spricht und auch Wunder tut.

Was ich aber sehr oft als sehr fatal erlebt habe, ist, wenn die Geistesgaben nicht wirklich gemäß 1.Korinther 12 + 14 gelebt werden. Viele Christen lassen sich verführen oder sind durch eigene Schwächen fehlgeleitet, so dass dann gelebte Geistesgaben die nicht geprüft werden, sehr zum Schaden werden können. Wir haben dies innerhalb von Gottesdiensten wie auch in Hauskreisen erlebt.

Ich glaube deshalb, dass diese Dinge sehr geprüft werden müssen, da sie auch eine große Verführung sein können. Immerhin geht es hier um übernatürliches Wirken des Geistes, welches auch gerne von Dämonen manipuliert wird. Und Menschen, die nicht mit sich und Gott im Reinen sind und noch persönliche Schwächen und Defizite mit sich tragen, sind besonders offen dafür.

Der Satan kennt des Menschen Schwächen sehr genau, und sobald jemand diese Gabe zum Eigennutz braucht (Selbstdarstellung, Stolz, Selbstwert usw.), wird es sehr gefährlich. Denn ins Gegenteil verdreht, wird die Gabe nicht mehr aus Gottes Wirken heraus gelebt, sondern aus der Quelle des Satans und das bedeutet Zerstörung. Die Gottesbeziehung wird geraubt und die Gabe ist nicht mehr ermutigend und aufbauend, sondern leistet Zerstörungsarbeit.

Ist das Ganze dann noch gepaart mit falscher Lehre, wird es richtig übel und es gibt durchaus sehr viele Gemeinden, wo es genauso läuft.

In der vorteilhaften Form jedoch, wenn die Gaben entsprechend geprüft und echt erlebt werden, ist es wunderbar mitzuerleben wie Menschen vom Geist Gottes bewegt werden. Wie sie berührt und angesprochen werden oder auch so manche echte Heilung erlebt wird.

Wir sehen also, es liegt daran, wie aufrichtig damit umgegangen wird. Da es sich um einen sehr sensiblen Bereich handelt und Charismatiker diesbezüglich leider sehr viel negativ aufgefallen sind, ist eine gewisse Berechtigung der Vorwürfe durchaus gegeben.

Bedenkt man aber die Ursprünge der charismatischen Bewegung, so hat Gott selbst hier für frischen Wind in einer verinterllektuallisierten Gemeinde gesorgt. Der Widerstand gegen die Charismatik gründet also nicht allein auf der Tatsache, dass es zu vielen Widersprüchen in der Lehre und seinen Ausübungen kam.

So vorteilhaft es für die Intellektuellen Christen sein mag, dass sie offensichtlich sachlicher und auch tiefer im Wort gegründet sind, so nachteilig ist es auch für sie, weil sie sich den Bereichen der Geistwirkungen durch Gott selbst gegenüber abkapseln. Ihnen entgeht dadurch sehr viel Segen und es führt sie auch verstärkt in die Gesetzlichkeit des Buchstabens.

Mich hat oft beschäftigt, warum die alten Propheten aus dem Alten Testament so klar und deutlich waren und heutige Gaben leider oft so schwammig sind. Während die alten Propheten sehr deutlich Gott hörten und auch trotz eigener Schwächen, seine Kraft zur Verkündigung empfingen. So scheint dies heute nicht mehr so klar und deutlich zu sein.

Es gab aber immer einen klaren Beweis, nämlich das eine Prophetie sich erfüllen musste. War das nicht der Fall, war klar das es ein falscher Prophet war, und falsche Propheten gab es auch im Alten Testament schon reichlich. So hat auch Jesus in seiner Endzeitrede eindrücklich vor falschen Propheten in der Endzeit gewarnt.

Mein persönliches Fazit ist deshalb, dass ich mich zuerst auf dem Wort Gottes und meine persönliche Beziehung zu ihm stützen möchte. Wer seinen Gott (Wort) kennt, hat es leichter den Fallen des Teufels auszuweichen. Übernatürliche Wirkungen prüfe ich für mich immer an der Bibel, sind sie erfüllend oder wollen sie ergänzend sein? Erfüllend bedeutet, dass sie das Wort Gottes bestätigen und somit echt sind. Ergänzend bedeutet, dass sie etwas zur Bibel hinzufügen wollen und damit nicht echt sind.

Davon mal abgesehen, bedauere ich diese Verhärtung beider Lager zutiefst, denn gemeinsam könnte man sich viel geben und voneinander lernen. Würden wir folgende Worte wirklich darauf anwenden, so könnte sich eine Brücke zwischen beiden bauen.

Apostelgeschichte 17,11
Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.

1.Johannes 4,1
Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind! Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen.

Jesus im Himmel
Bedenken wir doch, alles kommt durch ihn und ist zu ihm hin geschaffen

 

 

 

 

 

 

 

 


2 Kommentare zu Charismatik in Verruf oder wie echt sind heutige Geistwirkungen des Heiligen Geistes?

  1. Hallo Bernd,

    zu den beiden von dir oben aufgeführten Gruppierungen, mit ihren spezifischen und persönlichen geistlichen Eigenschaften, könnte man die ein, oder andere Erscheinungsform, aus unserer christlich religiösen Landschaft, noch hinzufügen.

    Wobei kulturelle und historische Einflüsse mit dazu beitragen helfen, unterschiedliche religiöse Ausrichtungen, wie zum Beispiel, die der sogenannten Charismatiker hervorzubringen und in der Regel institutionelle Gemeindeformationen entstehen lassen, die wiederum ihrer persönlichen Eigenart entsprechen.

    Nun kann man fragen, in welcher „charakterologischen“ Beziehung/Verhältnis stehen Hausgemeinde-Christen, zu den von dir genannten christlichen Zeitgenossen, hinsichtlich ihrer typ bzw. gruppenbedingten Vorzügen, Stärken und Schwächen.

    D.h., mit anderen Worten, wenn wir zu den zwei Lagern (Charismatiker u. Intelektuelle), eine dritte Gruppe hinzufügen würden, nämlich das Hausgemeinde-„Lager“, wie schaut‘s dann, mit den –Vor- und Nachteilen- aus.

    Gruß
    Hans-Otto

    • Hallo Hans-Otto,

      finde ich schwierig zu beantworten, weil hier seit Jahrzehnten verhärtete Fronten bestehen. Egal ob inst. Gemeinde oder Hausgemeinde, die Lager sind gespalten. Ob eine Hausgemeinde etwas ändern kann, vermag ich aufgrund fehlender Erfahrungen nicht zu sagen. Vorstellbar wäre aber doch, dass es Annäherungen geben kann und beide Seiten voneinander lernen könnten.

      Gruß
      Bernd

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