Die Sünden Jerobeams

Was hat die alte Geschichte über König Jerobeam denn mit unserer Zeit zu tun? Nun, das möchte ich in diesem Artikel darstellen. Eigentlich hat sich nämlich nichts geändert. Grundsätzlich ist das Volk Gottes im Neuen Testament (die Christen) immer noch so drauf, wie das Volk Gottes des Alten Testaments (das Volk Israel).

Vor einigen Monaten habe ich eine zweiwöchige Missionsreise nach Estland mitgemacht. Geleitet von einem Jugendpastor kamen eine ganze Reihe von Bibelschülern aus Kalifornien (USA). Auch waren einige deutsche Christen aus verschiedenen Denominationen und Gegenden unseres Landes dabei.

Die junge Frau des Leiters war gleichzeitig Lobpreisleiterin und spielte ständig die modernen Lobpreislieder im „Hillsong“-Stil. Außerdem war eine leistungsstarke Verstärkeranlage aus Deutschland mitgenommen worden, damit diese Lieder auch so richtig laut dröhnen. Es war eher ein Konzert, denn dass die Versammlung zusammenkam und sang.

Als ich während einer Mittagspause einige alte deutsche Lieder auf dem Keyboard einüben wollte, nahm einer der amerikanischen Bibelschüler seine Gitarre und spielte mir mit Billigung und Zustimmung der anderen ständig dazwischen. Wie man es gewohnt ist, wenn man die alten Hymnen und Glaubenslieder gern hat, so zieht man sich zurück, wenn die neueren Lieder gespielt werden, was ich dann auch tat. Ich hörte einfach auf und machte eben am nächsten Tag weiter.

Doch dann tat er wieder dasselbe, woraufhin ich protestierte und ihn bat, doch in den Nebenraum zu gehen, wenn er meine Lieder nicht hören wollte. Netterweise tat er das dann auch und alle anderen Christen der Gruppe gingen mit ihm. Bei mir blieb nur einer der Deutsch-sprechenden, der noch ein weiteres Lied mit mir zusammen einübte.

Von da ab machten die anderen Mitglieder der Gruppe sich ständig über mich lustig, was sie vorher nicht getan hatten. Irgendwie gehörte ich nicht mehr vollständig zu ihnen.

Einige Tage später erlebte ich bei einer Zelt-Evangelisation, dass diese Lieder so laut gespielt wurden, dass ich nicht mehr im Zelt bleiben konnte. Selbst der Jugendpastor beschwerte sich anschließend, weil es viel zu laut gewesen war. Schuld war der Schlagzeuger, der so sehr in seine Trommeln geschlagen hatte, dass die anderen lauter ausgesteuert werden mussten, damit man sie überhaupt noch hören konnte.

Dann erzählte der Jugendpastor, dass sein Arzt ihn gefragt hätte, ob er oft in die Diskothek gehen würde, weil sein Gehör genau bei den Tonhöhen geschädigt sei, die in der Disko so laut gespielt würden. Natürlich kam das vom modernen Lobpreis, der sein Gehör geschädigt hatte. Wie kann das nur angehen, dass wir Gott in einer Art anbeten sollen, die uns schadet?

Nachdem ich eine ganze Woche lang jeden Tag die modernen Lobpreislieder gehört hatte, kamen mir die bekannten Glaubenshymnen alt vor. Selbst bei mir hatte es also nur eine Woche gedauert, bis ich mich umgewöhnt hatte und das Glaubensliederbuch unserer Glaubensväter als überholt empfand. Ich musste mich erst wieder an die „alten“ Lieder gewöhnen.

Während mehrerer Gebetszeiten in der Gruppe erlebte ich, dass Gott sich regelmäßig zurückzog, wenn die Hillsong-Lieder gespielt wurden. Erst danach senkte sich die Kraft des Heiligen Geistes wieder in den Raum. Dadurch machte Gott mir klar, dass Er diese Lieder gar nicht mag. Ihr unnötig komplizierter Rhythmus, die oberflächlichen Texte, die große Lautstärke und die ständigen Wiederholungen erfüllen alle Merkmale von Rock- und Popmusik. Sie betrüben und vertreiben den Heiligen Geist.

Seit vielen Jahren erlebe ich, wenn man die alten Glaubenslieder und -hymnen mag, wird man von den „modernen“ Christen ausgelacht. Wenn man ihnen aber klarmacht, dass diese Lieder einen guten, tiefen Text haben, eine echte Melodie und eine schöne Harmonik, welche die Aussage des Textes unterstützt, dann gehen sie zum Angriff über. Sie können hier keine Toleranz zeigen, sondern werden oft genug aggressiv und holen sogar „Keulen“ heraus. Eine ist die „Hochmuts-Keule“. Sie klagen einen des Hochmuts an, weil man ihre modernen Lobpreislieder nicht mag. Man würde dadurch auf sie herabsehen und sich als was Besseres empfinden. Außerdem schlagen sie einen mit der „Lieblos-Keule“, indem sie behaupten, wenn man nicht mit dem Strom Gottes im modernen Lobpreis mitschwimmen wolle, würde man ihnen den Segen Gottes während des Lobpreises rauben wollen und das wäre lieblos. Und schließlich holen sie zum finalen Schlag aus und schließen einen aus ihrer Gemeinschaft aus. Das tut vielleicht noch am meisten weh, weil jeder Mensch gern in Frieden und Harmonie mit anderen zusammenleben und dazugehören möchte. Von da an ist man ein „Paria“, ein Ausgestoßener und darf von jedem kritisiert und verletzt werden – selbst dann, wenn man noch in ihren Gottesdiensten sitzt und sich selbst als dazugehörig empfindet.

Diese absolut lieblose und gottferne Praxis offenbart allein schon, dass die modernen Lobpreislieder nicht zu Gott hinführen, sondern von ihm abhalten. Bisher hatte mich dieses Wissen immer aufgeblasen und ich sah tatsächlich auf die Lobpreisler herab. Im Grunde genommen reagierte ich auf ihre ungeistliche „Keulen“-Praxis auf eine ungeistliche, abwertende Weise und fühlte mich selbst dabei als geistlicher, als sie es sind.

Jetzt in Estland hat Gott mich aus dieser „fleischlichen“ Reaktion herausgehoben, indem er mir zeigte, dass sie mit Einsetzung ihres modernen Lobpreises im Grunde genommen dasselbe getan hatten wie Jerobeam, der König von Israel. Er wurde anstelle von Rehabeam (Salomos Sohn) über die 10 Nordstämme Israels von Gott berufen (1. Kön. 11,26-40) und später von der Volksversammlung als König eingesetzt (12,20).

Nach einiger Zeit bekam Jerobeam aber Angst, dass sich die 10 Stämme wieder von ihm abwenden würden, wenn sie ständig nach Jerusalem hinab ins Südreich gehen müssten, um dort Gott im Tempel anbeten zu können. Daher fertigte er zwei goldene Kälber an, stellte sie in Bethel und Dan auf und befahl seinem Volk, Gott dort anzubeten (12,26-29). Außerdem machte er ein Höhenheiligtum und setzte einige willkürlich als Priester ein, die nicht aus dem Stamm Levi waren (V. 31). Schließlich dachte er sich noch ein eigenes Fest für diesen Kult aus, an dem Israel feiern sollte (V. 32).

Als ich in einer unserer Gebetsversammlungen merkte, wie Gott sich wegen des modernen Lobpreises zurückzog, sprach er zu mir: „Sie haben die Sünde Jerobeams begangen, indem sie die Anbetung durch ihren selbstgemachten Lobpreis ersetzt haben. Von dieser Sünde wird mein Volk bis zum Ende nicht mehr ablassen – egal, wer sie leitet oder wie geistlich sie auch sonst sein mögen.“ Und dabei dachte ich an alle folgenden Könige Israels, von denen es immer hieß: „Er wandelte in dem Weg Jerobeams und in seiner Sünde, die er beging, durch die er Israel zur Sünde verführt hatte.“ (z.B. 1. Kön. 16,19). Diese Formulierung wird immer und immer wiederholt, bei jedem neuen König Israels. Wie nah sie auch bei Gott lebten, sie kamen niemals wieder auf das hohe geistliche Niveau eines König David zurück, sondern blieben immer spätestens an der Sünde Jerobeams hängen.

Und genau das ist auch im modernen Christentum passiert. Wie viel Geistliches und Gutes sie auch immer tun, sie kommen niemals wieder auf das hohe geistliche Niveau unserer Glaubensväter zurück. Dabei denke ich z.B. an einen Billy Graham oder Reinhard Bonnke, welche die alten Glaubenslieder und -hymnen liebten und sie bei ihren Evangelisationen anstimmten bzw. singen ließen. Auf dieses Niveau wird das „Laodicea“-Christentum unserer Tage niemals wieder zurückkehren.

Und von dem Augenblick an taten mir die ganzen Christen leid, die Hillsong-Lieder singen müssen und dabei noch denken, sie würden damit Gott anbeten. Das Gegenteil ist der Fall. Der moderne Lobpreis hat nicht Gott zum Gegenstand, sondern von Menschen gemachte Gebilde, die eher einem goldenen Kalb ähneln, als allem anderen sonst. Sicher, es glänzt schön und zieht die Menschen aus der Welt an. Aber sie sind sicherlich nicht „deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben!“ (1. Kön. 12,28b) – wie Jerobeam dem Volk glauben machen wollte. Dabei konnte er sich sogar noch auf einen biblischen Präzedenzfall berufen: Aaron hatte dem Volk auch schon mal ein goldenes Kalb gemacht, von dem sie sagten: „Das sind eure Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben!“ (2. Mose 32,4).

Der moderne Lobpreis im Hillsong-Stil ist ein schwerer Hemmschuh an den Füßen aller Christen, die daran teilnehmen. Dadurch zieht Gott viel von seinem Segen und seiner Kraft ab. Das aber fehlt dann und führt dazu, dass die heutigen Christen schwach und unterentwickelt sind. Sie reifen nicht und bleiben eigentlich immer Babys in Christus. Daher ist ihnen ihre Kirche bzw. Gemeinde ja auch so wichtig. Ohne den gegenseitigen Zusammenhalt können sie geistlich nicht überleben und würden sofort abfallen. Und der sogenannte „Lobpreis“ ist ihnen dabei zentrales Herzstück ihrer Anbetung. Sie denken tatsächlich, dass die Gefühle, die sie dabei erleben, von Gott kommen würden, während sie jedoch von Rhythmus, ständiger Wiederholung eigentlich nichtssagender Texte und der Lautstärke kommen. Es ist derselbe Effekt, den Weltmenschen in einer heutigen Diskothek erleben. Es ist zutiefst weltlich, ja dämonisch.

Diese Christen tun mir Leid. Viele von ihnen werden zu spät oder gar nicht merken, warum sie sich in irgendwelchen schweren Sünden (wie z.B. Ehebruch) wiederfinden, ohne die Kraft gehabt zu haben zu widerstehen. Wenn ernsthafte Anfechtungen sie treffen, dann fallen sie gleich um und müssen von anderen mühsam wieder aufgepäppelt werden, weil sie kraftlos und äußerst schwach sind. Außerdem brauchen sie weiterhin die „Milch“ des Evangeliums, ohne je an „feste Speise“ herangeführt werden zu können. Sie werden nie erwachsen im Glauben und können von Glück sagen, falls sie doch irgendwie bei Jesus bleiben und in den Himmel kommen.

Alle Menschen, die von solchen Christen zu Jesus geführt werden, bekommen ebenfalls diesen Hemmschuh angezogen und wissen nicht einmal, dass es noch viel, viel mehr Kraft Gottes für sie geben würde. Es ist ein sehr trauriges Kapitel der Kirchengeschichte.

Jerobeam ließ jedoch zwei goldene Kälber aufstellen. Was bedeutet nun das zweite heute für uns? Ich denke, dass es der Jugend-Kult bzw. Jugend-Wahn ist. Damit meine ich, dass heute alles gepuscht wird, was jung und unerfahren ist. Leichtfertig sieht man auf ältere Christen herab und verzichtet hochmütig auf ihre Erfahrung. „Die Jugend ist die Zukunft!“, heißt es dann z.B. immer. Mehr und mehr Gemeinden bieten nur noch etwas für junge Leute an. Die „Alten“ dürfen zwar oft noch in ihren Gottesdiensten sitzen, aber sie müssen sich entweder dem aufgesetzt jugendlichen Gehabe anpassen oder die Versammlungen verlassen. Es wird immer so dargestellt, als wenn man inzwischen vorangekommen ist (Fortschritt) und das ganze alte, „Vermoderte“ und „Überkommene“ und „Gesetzliche“ nicht mehr braucht.

Dies ist das zweite „goldene Kalb“, um das die heutige Christenheit herumtanzt. Es gibt nur negative biblische Beispiele für diesen Jugend-Kult. Gott benutzte und benutzt hauptsächlich ältere Christen. Manche davon muss er erst 40 Jahre am Rande einer Wüste vorbereiten, bevor er sie überhaupt zu irgendetwas gebrauchen kann (s. Mose). Deutlich warnt Paulus seinen geistlichen Sohn Timotheus, dass dieser keinen „Neuling“ in ein Amt in der Gemeinde einsetzen soll, weil dieser sonst „aufgeblasen wird und in das Gericht des Teufels fällt“ (1. Tim. 3,6). Und ist es nicht gerade das, was wir beobachten können? Die jüngeren Pastoren, Diakone und sonstigen „Leiter“ in den Gemeinden sind hochmütig und lassen sich nichts mehr sagen. Nachdem sie ein Leiterschaftsseminar mitgemacht haben, sind sie leicht zu Lenkende in der Hand des jungen Pastors und bringen oft genug den Gestank ihrer „geistlichen Windel“ mit – wobei niemand ihnen die vollgemachte „Windel“ wechselt. Stattdessen wird dieser Geruch als die Gott wohlgefällige Geistlichkeit unserer Zeit angepriesen.

Ich selbst aber bin froh, dass ich jetzt nicht mehr auf demselben niedrigen, geistlosen Niveau mit solchen Christen umgehen muss. Jetzt tun sie mir Leid und ich bete für sie; denn ich weiß, dass Gott genauso wütend über sie ist, wie er es damals über Jerobeam und Israel war, die sich durch diese Form des „Gottesdienstes“ weit von Ihm entfernt hatten. In unserer „Laodicea“-Christenheit müssen alle geistlichen Christen sich nun einmal damit abfinden, dass sie nur noch ein Mauerblümchen-Dasein führen können. Doch sollten wir nicht vergessen, für diese seelisch-/fleischlichen Christen zu beten; denn sonst kann Gott sie nicht erretten. Ihr Lohn im Himmel wird zwar verbrennen, aber sie selbst werden dadurch jedenfalls in den Himmel kommen.

4 Kommentare zu Die Sünden Jerobeams

  1. Hallo Gerno,
    kann ich so voll unterschreiben. Amen. Frage ist – wie können wir, die wir es gemerkt haben mit denen die es noch nicht gemerkt haben kommunizieren?
    Der Lobpreis ist ja eigentlich nur die Spitze des Eisbergs.
    Ich hatte die letzte Zeit mit echten TG-Gängern zutun. Die waren echt lieb und nett, sagten mir sie seien noch Babys (doch schon an die 10 Jahre gläubig). Sie hören ca. 3-5 Predigten die Woche, schreiben auch fleißig mit und doch weiß kaum einer von ihnen die einfachsten Basics. Man setzt sich offensichtlich nicht selbst mit dem Wort auseinander. Woran das aber liegt vermag ich nicht zu deuten.
    lg Roland

    • Das ist eine sehr gute Frage. Meiner Erfahrung nach gar nicht; denn diese Christen wollen das nicht hören. Daher kann man mit ihnen nicht darüber reden.
      Sie haben ja auch zu viel zu verlieren – aus ihrer Sicht. Diese Christen können es sich nicht vorstellen, ohne ihren „Lobpreis“ und ihre Gemeinschaft zu leben. Sie brauchen unbedingt die „Nestwärme“ solch einer Gemeinde, weil sie sonst Jesus ganz den Rücken kehren würden, und zwar für immer.
      Wenn man versucht, mit ihnen über das Thema Musik zu reden, wenden sie sich nur von einem ab oder holen ihre „Keulen“ heraus. Daher habe ich ja auch geschrieben, dass wir für sie beten sollen. Das können wir sehr gut tun.
      Abraham konnte auch nicht mehr mit Lot kommunizieren, aber er hat für seinen Neffen gebetet, so dass Gott ihn nicht zusammen mit Sodom untergehen ließ. Das ist unsere Aufgabe.

  2. Hallo Ich bin eigentlich mehr aus Zufall auf Ihren Bericht gestossen, aber da ich nun schon hier bin, möchte ich noch meine Meinung dazu sagen: Ich bin selbst ein moderner Christ, wie Sie uns nennen und ich finde das stimmt nicht. Es ist normal, dass Jugendliche keine Lieder von Anno dazu mal singen wollen. Das heisst nicht, dass alte Lieder schlecht sind, aber sie sind mehr für ältere Generationen geeignet. In vielen Kirchen(ich meine keine Geminden!) ist es für Junge Leute einfach langweillig. Und weil sie sich die Kirche und den Glauben genau so vorstellen, kommen sie gar nicht erst. Es wird Zeit, dass wir der Welt zeigen wie der Glaube an Jesus wirklich ist! Worship Bands wie Hillsong sind einen riesigen Segen für das Reich Gottes! Wissen Sie eigentlich, wie viele Menschen durch ihre Musik schon zum Glauben gekommen sind?! Unzählige! Ich habe an solchen Veranstaltungen, selber Gott sehr stark gespürt und gesehen wie Leute frei wurden und Wunder geschahen. Sie sind in einem moderneren und coolen Rahmen, aber die Botschaft bleibt dieselbe! Und nur das zählt! Und hey, für was gibt es Ohropax? Ausserdem wie können Sie behaupten, dass moderne Christen, einen schwachen Glauben haben?! Das überlassen wir mal schön Gott! Und glauben Sie ernsthaft Gott freut sich nicht, wenn sich tausende, junge Menschen, aus der ganzen Welt versammeln um Ihn anzubeten?!

    Nun ich hoffe, ich konnte Ihnen die Sicht der Jugendlichen etwas näher bringen und Sie werden nocheinmal darüber nachdenken.

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