Scheidung und Wiederheirat- Ein Drahtseilakt?

Ein sehr sensibles Thema unter Christen, wobei Betroffene aus der eigenen Erfahrung heraus gute Zeugnisse haben. Während andere es wiederum doch eher sehr gesetzlich sehen und insbesondere Jesu Aussagen dazu sehr eng auslegen.

Der Idealfall

Im Idealfall lernt man sich jung kennen, prüft die Beziehung während der Verlobungszeit und hört dabei sehr auf Gott ob es passt oder nicht. Aber der Idealfall ist nur allzuoft nicht vorhanden. Eher ist es so, dass Partner sich zwar oft jung kennenlernen, schnell ins Bett gehen und Kinder bekommen und später dann oft sich trennen. Und das sehr oft, wenn die Kinder in die Pubertät kommen und die Probleme sichtbar werden. Und nicht wenige haben auch schon mehrere Ehen hinter sich oder sind sogar psychisch labil oder angeschlagen.

Dabei gibt es noch Unterschiede, wenn man z. B. zuvor ohne Gott und Glauben gelebt hat und sich das Desaster dann dazu entwickelt, dass man Glauben findet. Junge christliche Paare wiederum, die im Glauben aufgewachsen sind, können den Idealfall erleben und glücklich damit werden. Das ist allerdings keineswegs sicher, da es je nach Denomination unterschiedliche Glaubensgrundsätze dazu gibt und die Ehe hier als etwas sehr Gesetzliches angegangen werden kann. Auch hier werden u.a. biblische Aussagen zur Frau aus den Paulusbriefen in negativer Art und Weise falsch umgesetzt.

Das Streben nach Glück und Liebe und seinem Gegenüber liegt in uns verankert. Gott hat es so beschlossen, dass wir nicht allein sein sollen und deswegen auch Vater und Mutter verlassen, um ein Ehebund einzugehen. Seine Absicht war aber nicht, dass einer über den anderen herrscht, sondern das sie sich in gegenseitiger Zuneigung und Liebe ergänzen und einander helfen sollen.

Und so hatte schon das Volk Israel damit seine Probleme und Mose erlaubte ihnen Scheidebriefe auszustellen. Jesus stellte diese Praxis später klar und machte deutlich, dass es von Gott so nicht gedacht und gewollt ist. Scheidung ist explizit nur aufgrund von Hurerei erlaubt. Wenn man einen ungläubigen Partner hat und dieser sich trennen will, ist man ebenfalls nicht gebunden. Jesus geht sogar so weit zu sagen, wer eine Geschiedene heiratet begeht Ehebruch.

Scheidung wegen Hurerei

Mit Hurerei ist tatsächlich auch zuerst das Fremdgehen gemeint. Allerdings ist das ein dehnbarer Begriff, da man mit vielen Dingen Hurerei betreiben kann. Hurerei meint hier auch im erweiterten Sinn den Götzendienst. So kann man z. B. niemanden dazu nötigen mit einem Alkoholiker verheiratet zu bleiben. Also sind mit Hurerei im Grunde alle unhaltbaren Zustände angesprochen, die eine Ehe extrem belasten und zerstören können. Wir dürfen also diese Aussage Jesu nicht zu gesetzlich auslegen, was aber leider bei vielen passiert. Würden wir das tun, so würde kein Mensch und vor allem kein Christ jemals wieder glücklich werden können, wenn er rein gesetzlich zu einer Ehe verpflichtet ist, die ihn kaputt macht.

[1]Der Scheidebrief

Der Herr Jesus erwähnt hier kein Gebot aus dem Alten Testament, sondern eine Gewohnheit der Juden, die wohl schon vor der Gesetzgebung am Sinai bestand: die des Scheidebriefes. „Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief.“

In 5. Mose 24,1–4 heißt es: „Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet, und es geschieht, wenn sie keine Gnade in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr gefunden hat, dass er ihr einen Scheidebrief schreibt und ihn in ihre Hand gibt und sie aus seinem Haus entlässt; und sie geht aus seinem Haus und geht hin und wird die Frau eines anderen Mannes; und der andere Mann hasst sie und schreibt ihr einen Scheidebrief und gibt ihn in ihre Hand und entlässt sie aus seinem Haus; oder wenn der andere Mann stirbt, der sie sich zur Frau genommen hat: So kann ihr erster Mann, der sie entlassen hat, sie nicht wieder nehmen, dass sie seine Frau sei, nachdem sie verunreinigt worden ist. Denn das ist ein Gräuel vor dem HERRN…“

Das Gebot in diesen Versen lautete also, dass eine von ihrem ersten Mann geschiedene und danach wieder verheiratete Frau unter keinen Umständen zu ihrem ersten Mann zurückkehren konnte. Die zweimalige Erwähnung eines Scheidebriefes bedeutet jedoch keinesfalls, dass Gott die Ehescheidung befahl oder auch nur guthieß. In Matthäus 19,8 erklärt der Herr Jesus den Pharisäern, dass Mose ihnen einzig und allein wegen ihrer Herzenshärtigkeit gestattet hatte, ihre Frauen zu entlassen; Er fügt hinzu: „Von Anfang [d.h. nach der Schöpfungsordnung] an aber ist es nicht so gewesen.“ Als das Volk Israel das Gesetz am Sinai empfing, bestand jedoch offensichtlich bereits die Gewohnheit der Ehescheidung durch einen Scheidebrief. Mose beließ es dabei – vielleicht sogar zum Schutz der Frau vor einem hartherzigen und bösartigen Mann, der ihr bei weiterem Zusammenleben großes Leid zufügen konnte.

Die Juden hatten aus diesem Zugeständnis in 5. Mose 24 jedoch eine Erlaubnis zur Ehescheidung und ein Gebot zur Abgabe eines Scheidebriefes abgeleitet. Das geht auch aus der Frage der Pharisäer in Matthäus 19,7 hervor: „Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben und sie zu entlassen?“ Uneinigkeit bestand nur über die Scheidungsgründe. Eine rabbinische Schule legte die Worte „etwas Anstößiges“ in 5. Mose 24,1 im Sinn von Ehebruch oder ähnlichem unsittlichem Verhalten aus, während andere Rabbiner alles, was dem Ehemann an seiner Frau missfiel, als Scheidungsgrund akzeptierten. In Matthäus 19,3 beziehen sich die Pharisäer wohl auf diese Meinungsverschiedenheiten ihrer Lehrer.

Ehescheidung führt zum Ehebruch

Mit einem Satz fegt der Herr die spitzfindigen Erklärungen der Schriftgelehrten beiseite: „Jeder, der seine Frau entlässt … bewirkt, dass sie Ehebruch begeht“. Was auch immer die Fehler und Schwächen der Frau sein mögen, wer sie entlässt, d.h. sich von ihr scheiden lässt, bringt sie in die Gefahr, sich danach mit einem anderen Mann zu verbinden. Eine solche Verbindung nennt der Herr hier Ehebruch. Daraus geht hervor, dass die geschiedene Ehe vor Gott noch besteht.

Die vor Gott und Menschen geschlossene Ehe wird nicht durch die nur vor den Menschen (d.h. vor Gericht) vollzogene Scheidung gebrochen, sondern durch die danach vollzogene geschlechtliche Verbindung mit einem anderen Partner – auch in einer neuen Ehe! Unausgesprochen gilt das gleiche natürlich auch für den Mann bzw. den Teil, der den anderen „entlässt“, indem er sich von ihm scheiden lässt.

Dass der Herr hier nicht nur von außerehelichen Beziehungen nach der Ehescheidung spricht, wird durch den letzten Teil seiner Ausführungen deutlich: „… und wer irgendeine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.“ Wer eine geschiedene Frau heiratet, begeht nach Gottes Gedanken Ehebruch, weil er in eine vor Ihm bestehende Ehe eindringt. In Übereinstimmung mit diesen Worten des Herrn schreibt der Apostel Paulus den Korinthern: „Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau nicht vom Mann geschieden werde (wenn sie aber auch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann) und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse“ (1. Kor 7,10.11).

Heutiger Umgang mit Scheidung und Wiederheirat

So findet sich ein ganz ähnliches Chaos auch in der heutigen gängigen Praxis wieder, wobei das Thema der Hurerei hier u. a. auch den vorehelichen Sexualverkehr meint. Bedenkt man, dass Jesus die Ehebrecherin aus Joh. 8,2-11 nicht verurteilte, sondern ihr Vergebung zusprach, obwohl gemäß dem Gesetz ihr eigentlich die Todesstrafe gedroht hatte, so hat Jesus nicht auf die Erfüllung des Gesetzes bestanden. Vielmehr suchte er danach, durch Versöhnung und Gnade die Herzen zu erreichen.

Viele heutige Christen leiden unter solchen Belastungen ihrer Scheidungen, da sie oftmals noch an dem Partner (geistlich) gebunden sind. Spätere neue Beziehungen werden nur allzuoft zu schnell eingegangen und auch die Sexualität wird dann ebenfalls schnell umgesetzt.

Viele Christen, auch junge Christen, sind sich nicht darüber im Klaren, wie ernst und wichtig Gott eine solche Beziehung ist. Es ist deshalb vorrangig wichtig mit alten vorherigen Ehebeziehungen vor Gott ins Reine zu kommen und eine neue Beziehung auf geistig gesunde Füße zu bringen.

Vor Gott gilt die Ehe als etwas sehr Heiliges, was der Mensch nicht trennen soll. Das unterstreicht nochmal die enorme Wichtigkeit göttlichen Handelns und Denkens über dieses Thema. Gott sucht aber nicht das Gesetzliche darin, sondern den freiwilligen Gehorsam, was ihm so wichtig ist, sollte uns ebenso wichtig sein. Zumal wir hierin eine große Verantwortung tragen, denn eine Ehebeziehung soll letztlich fürs Leben sein und sich in gegenseitiger Liebe und Hilfe zugetan sein.

Wie oft erlebt man heute einen leichtfertigen Umgang mit Partnerbeziehungen, die nach meiner Erfahrung oftmals schnell scheitern, wenn sich die Paare nicht an Gottes Willen und Gedanken ausrichten? Hier erkennen wir vor allem fehlende Gottesfurcht in unserer Zeit. Gottesfurcht bewirkt Demut vor dem Willen Gottes und Paare die das nicht beherzigen begehen vor Gott letztlich Sünde. Da sie den (angehenden) Ehebund missachten und somit sich der Hurerei (Sex vor der Ehe) schuldig machen. Es gilt sich hier unter die Hand Gottes zu demütigen, doch der Zeitgeist hat die Menschen und leider auch viele Christen hier längst eingeholt.

Und obwohl Jesus die Ehebrecherin nicht verurteilte und ihr den Weg der Versöhnung gab, bleibt der Zorn Gottes auf den Ungehorsamen.

Epheser 5,5
Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – er ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.

[1] Quelle: Bibelkommentare.de

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