Der Spiegel unserer Seele

Ich möchte heute über ein Tabuthema sprechen, was jeder Christ erlebt, welches aber leider auch gerne unter dem Teppich gekehrt wird. Viele Christen fallen deswegen oftmals vom Glauben wieder ab oder sind in ihrem Vertrauen in die Gemeinde Christi tief erschüttert. Es geht mir um Enttäuschungen und Verletzungen die wir innerhalb der Gemeinde selbst durch Mitglieder oder sogar durch Leiter erleben können. Denn Vorurteile, Machtstreben und sektiererisches Verhalten sind nicht selten. Dabei sagt uns sein Wort, dass wir in der Welt durch die Liebe untereinander erkannt werden sollen. Wie weit ist damit eigentlich her und wie gehen wir mit solchen Wunden ganz persönlich um?

Verhalten in der Gemeinde

Die vorherrschenden Strukturen in den institutionellen Gemeinden bergen bereits viele Probleme in sich, da es Hierarchien gibt. Das sorgt schon dafür, dass der Einzelne sich in einer Art der Unterordnung befindet, die zwar biblisch gewollt ist, aber nicht aufgezwungen sein sollte.

Auch erscheint es von Bedeutung zu sein in welcher Gemeindeform man sich befindet. In den eher gesetzlich geprägten Gemeinden wird man sich solchen Strukturen stärker gegenübersehen als in einer charismatischen Gemeinde. Aber in beiden Gemeindemodellen hinkt es. Die einen sind gesetzlich und lehnen alles Charismatische ab, womit Ihnen die Dimension des Heiligen Geistes fehlt. Die Anderen neigen zur Schwärmerei und zu Übertreibungen, womit auch oft ein Machtstreben einhergeht.

In welcher Art von Gemeinschaft man sich befindet, hängt damit also schon davon ab was man selbst glaubt. Da wo man sich selbst einordnet, hängt auch das Glaubensherz. Ein großes Problem ist da sicher auch die vielen Spaltungen von Gemeinden, die eben leider dann auch ein Negativbeispiel dafür sind. Angefangen von Leitern, die Ihre Salbung missbrauchen, bishin zu sogenannten Geschwistern, die meinen sie müssten einen ins Leben reden. Oder auch wenn Geschwister in Not sich an die Gemeinde wenden, wo dann oft unbarmherzig reagiert wird.

Verletzungen und Enttäuschungen entstehen dabei fast wie von selbst und wir müssen dann damit fertig werden. In den Gemeinden wird oft sehr unbeholfen damit umgegangen und nicht selten versucht man solche Dinge m Rahmen der Gottesliebe unter den Tisch fallen zu lassen. Dabei ist diese Art der Verletzung besonders schlimm, da sie im Rahmen eines tiefen Vertrauensverhältnisses herbe Schäden hinterlassen kann.

Nicht selten verlassen dann verletzte Menschen die Gemeinden und leider auch in weiten Teilen ihren Glauben. Ein ganz natürlicher Schutzmechanismus setzt nun ein, da man nicht erneut verletzt werden möchte. Also wird dicht gemacht und die schlechte Erfahrung auf Distanz gehalten. Gott weiß aber darum und möchte jeden Christen auch darüber hinweg in die volle Reife führen. Wie stark kann ein Christ werden, der solches segensreich überwindet?

Verletzungen und Enttäuschungen überwinden

Sie sind auch Prüfsteine für unseren Glauben, da es auch darum geht am Glauben und an seinen Verheißungen festzuhalten. Sicher brauchen wir einen Weg der Verarbeitung und Versöhnung und das soll jetzt auch nicht bedeuten sich über alles einfach hinwegzusetzen.

Aber es bedeutet nicht aufzugeben und seine Lehre daraus zu ziehen. Die Bibel spricht ja an vielen Stellen davon, dass wir durch viel Trübsal ins Himmelreich eingehen werden. Da sind die Verwundungen aus der inneren Gemeinschaft heraus noch das kleinere Übel. Wir können ebenso gut auch Verfolgung gegen Leib und Leben erleben und Gott kann dies zulassen. Da zählt es dann auch den Glauben und das Zeugnis zu bewahren und zu bekennen.

Hier ist unsere Willenskraft und unser Bekenntnis gefordert und ich denke unser Herr erwartet dies auch von uns. In den Sendschreiben wird immer wieder darauf hingewiesen, wer überwindet wird dabei sein. Aber nicht nur das, er wird auch seinen Lohn empfangen und Aufgaben erhalten.

Wir sollten also niemals zu kleinkariert denken und das Ziel immer vor Augen haben. Wer das Ziel kennt und sich darauf freut, hat es einfacher zu bestehen, auch wenn es schwer wird. Im persönlichen Bereich sollten wir dazu sehr feinfühlig werden. Denn es gilt Schaden von unserer Seele abzuwenden und sich den Wunden zu stellen. Groll und Bitterkeit soll nicht in uns zurückbleiben, denn sie führen uns in die Sackgasse des Richtens und des Verurteilens.

Römer 8,33-39
Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: „Deinetwegen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.“ Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn
.

In seinem Wort empfangen wir dazu die klare Verheißung, aber es liegt an uns ob wir Vergebungsbereit sind und ob wir dazu in der Lage sind das Richten ihn zu überlassen. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass die Gemeinschaft in Christus auch immer wieder das Ziel von Angriffen des Widersachers ist. Er nutzt unsere menschlichen Schwächen und unsere Unfertigkeiten, um Spaltungen, Streit und Rechthabereien zu provozieren.

In all dem ist die Gemeinde aufgefordert zu Jesus hin zu wachsen und das ist nicht selten ein schmaler Grat, da Menschen aus allen möglichen sozialen Schichten zusammenkommen. Und darin liegt oft das Problem, die Glaubensbilder und das Verständnis zu Gott wird oft durch unsere Erfahrungsbrillen und Charakterschwächen geprägt.

Die Glaubenspsyche eines Christen

Viele glauben ja, dass sie mit Bekehrung auch bereits so geheiligt sind, dass sie meinen sie müssten nichts mehr dazu tun. Die Bekehrung ist jedoch nur der erste Schritt, im zweiten Schritt gilt es den Wachstumsprozess anzustoßen. Und das geschieht gleich auf mehreren Ebenen.

Dabei wird unsere Psyche umgekrempelt, mit dem Ziel den alten Leib zu überwinden. Damit sind all unsere negativen Eigenschaften und Prägungen gemeint, die sich bis dato in uns angesammelt haben. Der Weg dahin ist die Verinnerlichung des Wortes Christi. Wir lernen seine Maßstäbe auf unser Leben anzuwenden und geraten damit immer wieder in innere Konflikte.

Sei es, dass uns Einsichten fehlen oder wir mit andersdenkenden Geschwistern kollidieren. Ein entscheidender Faktor ist dabei unsere gefühlte Ethik, denn unser Glauben ist wie ein Saatkorn, das erst wachsen und aufgehen muss. Geht etwas gegen unsere innere Ethik oder unser Glaubensbild entsteht der Konflikt und wir sind genötigt um die Wahrheit zu ringen.

Im günstigsten Fall finden wir die Wahrheit und im ungünstigsten Fall verschließen wir uns vor ihr.

Ein gutes Beispiel ist der ewige Streitpunkt der Charismatik unter Christen. Christen, die die Charismatik ablehnen und darauf glauben, dass mit der Apostelgeschichte sich das Thema erledigt hat, stehen im Widerspruch zu den Christen, die die Charismatik anwenden und an diese Kraft Gottes glauben. Dabei wird den Charismatikern vorgeworfen, sie wären dämonisch belastet. Im Gegenzug könnte man den anderen Christen Gesetzlichkeiten und die Sünde wider dem Heiligen Geist vorwerfen.

Ein frischbekehrter Christ kann damit durchaus ins Straucheln kommen und es gilt hier tatsächlich die biblisch fundierte Wahrheit herauszufinden. Ich möchte diese Frage hier jetzt nicht klären, aber es ist von Bedeutung sein Glaubensleben von Beginn an auf ein gesundes Fundament zu bringen. Dabei hilft uns die Bibel und der Heilige Geist in uns, der uns in alle Wahrheit leitet.

Dazu ist es wichtig, dass wir unser Ego abgeben und dazu all unsere vorgefertigten Meinungen und Ansichten. Wahre Gottesfurcht kommt durch eine demütige Haltung vor Gott. Die Bibel ist darin eindeutig.

Jakobus 4,7-12
Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen! Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn! Und er wird euch erhöhen. Redet nicht schlecht übereinander, Brüder! Wer über einen Bruder schlecht redet oder seinen Bruder richtet, redet schlecht über das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Einer ist Gesetzgeber und Richter, der zu retten und zu verderben vermag. Du aber, wer bist du, der du den Nächsten richtest?

Mein Nächster

Wer ist nun mein Nächster oder mein Bruder, ist jeder der sich Christ nennt darin einzuordnen? Werden wir doch auch durch Jesus selbst reichlich vor falschen Propheten etc. gewarnt. Die Gemeinde Gottes ist durchsetzt, das verdeutlicht uns die nachfolgende Bibelstelle.

Matthäus 13,27-30
Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Die Knechte aber sagen zu ihm: Willst du denn, dass wir hingehen und es zusammenlesen? Er aber spricht: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts gleichzeitig mit ihm den Weizen ausreißt. Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

Was uns vorher nicht bewusst war, tritt hier nun zutage und erklärt auch so manche Verletzung die dadurch passiert. Aber auch hier wird nochmal deutlich gesagt, dass es nicht unsere Aufgabe ist darüber zu richten. Wir sollen den Pfad der Nächstenliebe nicht verlassen, was nicht bedeutet alles hinnehmen zu müssen.

Halten wir uns also fern von Bitterkeit und vom Richten und bleiben wir in seiner Liebe, werden unfertige sündige Menschen durch die Liebe Gottes überführt und offenbart. Es ist dann an ihnen sich einzulassen oder sich zu verschließen.

2.Korinther 13,11
Im Übrigen, Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch ermuntern, seid eines Sinnes, haltet Frieden! Und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein.

Auch wenn wir es manchesmal nicht mehr hören können und in den Gemeinden gerne eine Liebe mit Rosarote Brille gepredigt wird, so ist doch die Agapeliebe Gottes, dass was wir tatsächlich am meisten brauchen. Wir machen im Verlauf unseres Lebens die unterschiedlichsten Leiderfahrungen, welche oft auch von Lieblosigkeiten aller Art begleitet sind. Sei es durch ein kaltes Elternhaus, traumatisierte Erfahrungen, Mobbing etc. Unsere Welt ist voll von Leid und wir sind dem nicht ausgeschlossen und brauchen hierin viel Heilung.

Epheser 3,14-19
Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft in den Himmeln und auf Erden benannt wird: Er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen; dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes.  

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