Sterne, Sand und Staub

Sterne, Sand und Staub

Eine wunderbare neue Sicht auf ein altes Buch: Die Bibel!

Seminare mit einem Gang durch die Bibel sind nicht neu in der Christenheit. Sowohl Jesus, als auch der Apostel Paulus lehrten jeder zumindest zwei AT-Seminare! Bedenken sie bitte:

Jesus nutzte drei Jahre lang eine Mikro (kleinschrittige)-Lehrmethode, wobei er nur 1 oder 2 AT-Verse auf einmal erklärte (z.B. Hosea 6,6 in Mt. 12,7; Maleachi 3,1 in Mt. 11,10; Jesaja 6,9-10 in Mt. 13,13-15 usw.). Die Mikro-Lehrmethode benutzt die Froschperspektive für kurze Textausschnitte. Die Makro-Lehrmethode dagegen führt zu einem Panoramablick auf Hauptthemen. Beachten sie bitte, wie Jesus nach seiner Auferstehung eine besondere Makro-Lehrmethode nutzte:

Das Seminar unseres Herrn auf dem Weg nach Emmaus, für zwei Jünger auf einem 13 Kilometer langen Spaziergang:

„Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ (Lukas 24,27).

Diese offene Art des Lehrens war offenbar Ehrfurcht einflößend. Die beiden Jünger sagten:

„Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg, und als er uns die Schriften öffnete? (Lukas 24,32).

Das Abendmahlseminar unseres Herrn war eine nach der Auferstehung stattfindende Lektion für alle Jünger:

„Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden, …“ [nicht einfach nur ein kurzes Zitat]. (Lukas 24,45). Jesus entfaltete hier 2 Makro-Themen aus dem Alten Testament. Wir sehen sie uns später näher an.

Paulus bevorzugte eine ähnliche Makro-Lehrmethode. Sehen sie sich das einmal an:

Das die ganze Nacht dauernde Seminar von Paulus für die Christen in Troas:

„Paulus unterredete sich mit ihnen … und dehnte die Rede bis Mitternacht aus … [dann nach einer Unterbrechung] unterredete [er] sich noch lange mit ihnen, bis der Tag anbrach, und zog dann fort.“ (Apg 20,7-11).

War Paulus immer so begeistert oder hat Jesus all seinen Aposteln vielleicht ans Herz gelegt, zukünftige Bekehrte mit der Makro-Lehrmethode zu unterrichten? Ja, das hat er tatsächlich! Indem er ihnen das Verständnis für 2 AT-Makro-Themen öffnete, die wir uns gleich näher anschauen werden, sagte Jesus: „Ihr aber seid Zeugen hiervon!“ (Lukas 24,48). Also hat er ihnen sogar befohlen, diese beiden Makro-Themen zu unterrichten, über die er ihnen gerade das Verständnis geöffnet hatte.

Makro-Themen brauchen zur Entfaltung ein ganzes Seminar in voller Länge. Paulus lehrte in dieser Art und Weise. Können wir es auch? Nur dann, wenn wir wissen, worum es bei diesen Makro-Themen geht. Aber zuerst sollten wir uns anschauen, was sie nicht waren!

Jüdische Rabbis legten ein durchaus populäres AT-Thema dar: Der Messias wird die Herrschaft der Heiden beenden und das Königreich Davids in Israel wiederherstellen. Jesus aber gab seinen Jüngern Einsicht in ein diametral entgegengesetztes Makro-Thema und erklärte: „So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden, [sterben] und am dritten Tag von den Toten auferstehen.“ Wir nennen das:

 

Makro-Thema A: Von 1. Mose 3,15 bis Jesaja 53.

Sehen sie nur, wie Jesus AT-Prophetien wie die folgende in ein umwerfendes Offenbarungsgeflecht hineinwob:

  1. Mose 3,15: Gott warnte die Schlange, die Adam und Eva zu Fall gebracht hatte, und sagte:

Und ich will Feindschaft setzen zwischen … deinem Nachkommen und ihrem [beachten sie, dass der entscheidende zukünftige Gegenspieler der Schlange Nachkomme eines weiblichen menschlichen Elternteil sein wird, im Gegensatz zu gewöhnlichen kulturellen Gepflogenheiten des AT in denen immer der männliche Elternteil genannt wird]. Er wird dir den Kopf zertreten, [was ein Versprechen für die geistliche Befreiung vom Bösen ist, nicht bloße politische Emanzipation von einem menschlichen Unterdrücker] und du wirst ihn in die Ferse stechen.“

Der Schlange wird es gelingen, den Befreier zu peinigen, selbst wenn er ihr den Todesstoß versetzt!

  1. Mose 22: Es handelt sich um eines der eindrucksvollsten Kapitel in der Bibel. Zwei Anforderungen tauchen hier in den Eröffnungsversen auf. Eines ist, was Abraham tun sollte: Isaak ofpern. Das zweite ist, wo die Tat vollzogen werden sollte! In einem Landstrich – „das Land Morija“ (s. Karte 1) – wählte Gott einen bestimmten Ort: „auf einem der Berge, den ich dir nennen werde“ (V. 2). Warum gerade dort? Zwei Hinweise dazu:
  1. Verständlicherweise wollte Abraham nicht dabei gesehen werden, als er sich „dem Ort“ näherte. Er ließ seine Diener zurück (V. 5). Wenn dieser von Gott gewählte Ort nahe bei Salem in der südlichen Region Morijas gewesen wäre, dann wären die Diener zur Abschirmung des Ortes benötigt worden. Deshalb deutet das auf einen Ort am Nordende der Region Morija hin.
  2. Obwohl ein Esel vorhanden ist (V. 5), trägt Isaak das Holz für das Opferfeuer zu „dem Ort“ – nicht der Esel. Später wird Isaak auf das Holz gelegt, das er selbst getragen hat. Auch ein größerer Isaak, nämlich Jesus, trägt 200 Jahre später ein Holz (das Kreuz) zu einem Berg (Golgatha) im nördlichen Bereich der Morija-Region. Beachten sie hier bitte den Unterschied: Kein Bock nimmt den Platz des größeren Isaak ein! Gott, der größere Vater, vervollständigt, was er dem geringeren Vater Abraham 2000 Jahre vorher unerledigt durchgehen ließ: das Opfer des geliebten einzigen Sohnes.

Psalm 16,10: „Denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und wirst nicht zulassen, dass dein Getreuer die Verwesung sieht.“ Ganz gewiss klingt in Petrus Zitat dieses Verses in Apg. 2,27 die Lesart von Jesus während seines Abendmahlseminars nach.

Psalm 22,17;19: „… sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben. [geschrieben bevor die Kreuzigung auch nur in Israels Nähe benutzt wurde]. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.“

Jesaja 53,5-6: „Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden…. der HERR warf unser aller Schuld auf ihn.“
Und noch andere Bibelstellen. So! Wenden wir uns Lukas Zusammenfassung des zweiten AT-Makro-Themas aus Jesus letztem Diskurs im Abendmahlssaal: „Buße und Vergebung der Sünden wird in seinem Namen allen Nationen gepredigt werden [nicht bloß den 12 Stämmen Israels] und zwar beginnend in Jerusalem.“

 

Makro-Thema B: Das Thema von 1. Mose 12,3 bis Offenbarung 5,9

Wie Gott das „Makro-Thema B“ in 1. Mose 12 einführte: Die ersten 11 Kapitel des 1. Buches Mose werden häufig als Einführung des Hauptthemas der Bibel bezeichnet. Diese Einleitung fängt mit Gottes Erschaffung von Universum und Mensch an. Gott zerteilt die Menschheit in 70 ursprüngliche Völker, die im „Verzeichnis der Nationen“ in Kapitel 10 stehen. In Kapitel 12 beginnt das Hauptschauspiel der Bibel mit ‚Akt 1‘: Gott verbündet sich mit einem Mann, der Abraham genannt wird, um noch eine weitere „Ethnie“1 zu bilden und besonders zu segnen, nämlich das 71. Volk (später unter dem Namen ‚Israel‘ bekannt geworden). Wie bemerkenswert war doch dieser Bund!

Einige Gelehrte merken dazu an, dass jede antike Zivilisation sich selbst als von diesem oder jenem Gott als besonders auserwählt ansah. Sie sehen Gottes Bund mit Abraham als nichts als einen weiteren primitiven Missbrauch von Religion an, der einem ethnozentrischen2 Zweck dienen soll. Tatsächlich aber erschüttert Gottes Bund mit Abraham den status quo der offensichtlich mono-ethnischen heidnischen Götterbünde. In diesem Bund kündigt Gott zwei Ziele an. Das zweite davon ist ungewöhnlicherweise pan-ethnisch3! Seine beiden Ziele werden hier aufgelistet:

Die Kopfzeile: „Ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen;

Ich werde deinen Namen groß machen und du wirst ein Segen sein.

Ich will die segnen, die dich segnen, und verfluchen, wer dich verflucht. …“

Soweit können wir nachvollziehen, warum die Kritiker hier argumentieren, dass die Götter der Ägypter, Babylonier, Syrer usw. ihren heidnischen Anbetern grundsätzlich ähnliche Versprechungen gemacht haben. Aber dann kommt folgendes:

Die Fußzeile: „… und alle Völker auf Erden werden durch dich gesegnet sein.“

Daher sind Abraham und seine Nachkommen [und nicht etwa Engel-Sonderkommandos] als „Segnende“ Gottes nominiert. Heidenvölker sind von Abraham „Gesegnete“. Die Fußzeile ist eine „Lizenz zum Segnen“. Hier handelt es sich um ein Konzept, das sogar noch weit über den Altruismus4 so mancher hingegebener Christen heute hinausgeht. Wie weit war es dann vor 4.000 Jahren seiner Zeit voraus! Sein Auftauchen weit zurück in grauer Vorzeit ein Beweis für seine göttliche Inspiration.

In einigen Übersetzungen steht hier „durch dich“ oder „in dir“. In der NIV (New International Version) steht „durch dich“. Welche Lesart wird Gott wohl mehr verherrlichen? [In folgenden Textstellen ist Gottes Verherrlichung das Endziel. Die Menschheit zu segnen ist noch nicht der allerletzte Zweck. Und doch betont Gott selbst diese „Lizenz“ sehr.]

Wiederholung – Gottes Art, unser Augenmerk auf etwas zu richten: Die Juden ehren alles in der Torah, das zweimal vorkommt – mehr als etwas, das nur einmal dort steht. Wenn es dreimal geschrieben steht, übertrifft es sogar das zweimal Geschriebene. Sie behaupten, dass dreimal Geschriebenes das Maximum ist, aber unsere Kopf- und Fußzeilen erscheinen fünfmal in einem einzigen Buch der Torah – dem 1. Buch Mose! Die Versprechen der Kopf- und Fußzeilen werden zuerst in 1. Mose 12,2-3 gemacht. Danach bestätigt Gott denselben doppelgleisigen Zweck weitere viermal im 1. Buch Mose:

Nr. Bezug Kopfzeile Fußzeile
2 1. Mose 18,18 Abraham soll doch gewiss zu einem großen und starken Volk werden … … und alle Völker der Erde sollen in ihm gesegnet werden.
3 1. Mose 22,17-18 Ich will dich reichlich segnen und deinen Samen mächtig mehren, wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres … … und in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden.
4 1. Mose 26,4 (für Abrahams Sohn Isaak) Und ich will deinen Samen mehren wie die Sterne des Himmels, und ich will deinem Samen das ganze Land geben … … und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Völker der Erde.
5 1. Mose 28,14 (für Abrahams Enkel Jakob) Und dein Same soll werden wie der Staub der Erde, und nach Westen, Osten, Norden und Süden sollst du dich ausbreiten … … und in dir und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!

Neben diesen 5 Aufmerksamkeit heischenden Wiederholungen der Kopf- und Fußzeilen fügte Gott in 1. Mose 22,16 als weiteren Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Bonus noch einen göttlichen Eid hinzu. Sein Ausspruch „Ich habe bei mir selbst geschworen …“ deckt beide Zeilen ab!

Gelehrte versehen hervorragende Bibelstellen oftmals mit besonderen Ehrentiteln in Griechisch oder Latein. So strahlt das „Bild Gottes“ zum Beispiel als „Imago Dei“ auf. Die 10 Gebote hallen als „Dekalog“ wider. Die 10 „Gesegnet“ in Matthäus 5 leuchten als „Beatitudes“ („Seligpreisungen“). Die 5 Bücher Mose resonieren als „Pentateuch“. Ein Gebet, das eine Bibellesung [oder einen Gottesdienst] beendet ist eine „Benediktion“.

Ganz sicher verdient dieses großartige Quintett dieser Gott-spricht-höchstpersönliche, mit einem Eid versiegelte Vortrag von Gottes Bund mit Abraham et al auch einen ehrwürdigen Titel. Theologische Synchronsprecher hätten ihnen schon vor Jahrhunderten einen Titel geben sollen. Aber besser spät als gar nicht! Ihr Name lautet hier und jetzt:

Der Pentalog!

(Dies ist ein Aufsatz von Don Richardson, den ich ins Deutsche übersetzt habe).

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1) Menschengruppe mit einheitlicher Kultur

2) Besondere Form des Nationalismus, bei der das eigene Volk (die eigene Nation) als Mittelpunkt u. zugleich als gegenüber anderen Völkern überlegen angesehen wird.

3) Alle Volksgruppen übergreifend.

4) Gegensatz zu Egoismus – durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- u. Handlungsweise, Selbstlosigkeit.

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