Über den Verlust der Väter und Mütter im Glauben

Wie wir uns selbst der grundlegendsten Dinge im Glauben berauben

Gestern, am Sonntag, besuchten meine Frau, mein dritter Sohn und ich eine kleine Gemeinde der “Calvary Chapel”-Bewegung in Hamburg. Es war alles recht familiär und gut organisiert. Von den Kindern bekam man nur im Anschluss etwas mit, als sie einen Fußball durch die Gänge kickten. Schade, dass auch diese Gemeinde die weltlichen Vorgaben mitmacht und die Kinder vom Gottesdienst ausschließt, damit sich die Erwachsenen nicht gestört fühlen – oder kommt das daher, dass die Kinder nicht mehr erzogen werden und deshalb notorisch stören würden?

Wir wurden gleich am Eingang recht herzlich begrüßt und man wechselte sogar einige Worte mit uns. Das ist nicht selbstverständlich und wir waren positiv überrascht. Auch nach dem Gottesdienst waren wir in ein kleines Café eingeladen, in der etwas Kaffee, Knabbereien und einige belegte Brötchen angeboten wurden. Auch dort konnte man mit einigen aus der Gemeinde reden, was uns sehr gut gefallen hat. Kontaktdaten wollte man von uns aber nicht haben. Es war also kein weitergehendes Interesse an Gästen oder neuen Mitgliedern vorhanden.

Nach einigen einleitenden Liedern kam die Predigt. Ein junger Soldat hielt sie, der auch schon in Afghanistan gedient hat und gerade mal 4 Monate frisch verheiratet ist. Er sprach nur kurz über zwei Erfahrungen, die ihm in seinem Beruf sehr weitergeholfen haben. Es war eine Mut machende Predigt, die zum Stiften von Frieden aufrief und Jesus als den wahren Friedensstifter darstellte. Kurz, aber gut. Für eine “Calvary Chapel”-Gemeinde war es sehr kurz.

Der Gemeindeleiter hielt dann eine noch viel kürzere Nachpredigt, die er mit dem Satz begann: „Jetzt habe ich wieder Lust auf den Himmel bekommen.“ – sehr „jugendlich-frisch“ eben. Außerdem erwähnte er noch, dass er immer sehr zu kämpfen hätte, wenn er ins Gebet gehen wolle. Also ist wenig geistliche Kraft da. Dann rief er dazu auf, während des Lobpreises zu ihm zu kommen, um für sich beten zu lassen. Sollten nicht das die Ältesten einer Gemeinde machen? Wo waren die eigentlich? Darauf machte der Pastor noch einige terminliche Ankündigungen.

Da es sich um eine Gemeinde der “Calvary Chapel”-Bewegung handelt, waren die Lieder während des Lobpreises wohl von dieser Bewegung aus Amerika übernommen. Ich kannte nur eins davon. Glaubenslieder der letzten Jahrhunderte war keines zu hören. Die kannte wohl auch keiner dort.

Der Lobpreisleiter begleitete die Lieder mit einer elektronisch verstärkten Gitarre, die Texte wurden per Projektor hinter ihn an die Wand geworfen und eine junge, unerfahrene Frau sang dazu in das zweite Mikrofon.

Die Lieder hatten eine auffallende Ähnlichkeit mit den “Hillsongs” aus Australien, die ansonsten in charismatischen Gemeinden gesungen werden. Die rudimentären „Melodien“ erinnerten mehr an gregorianischen Gesang und die Harmonik war äußerst einfach gehalten. Nur der Rhythmus wurde nicht derart betont, wie das ansonsten bei “Hillsong” bzw. in charismatischen Kreisen üblich ist. Auch gab es kein Schlagzeug und alles war nicht derart laut aufgedreht, dass man sich wie in einem Pop-Konzert vorgekommen wäre. Wir waren erleichtert, weil uns ansonsten die lauten, monotonen, sich ständig wiederholenden Rhythmen buchstäblich immer aus der jeweiligen Gemeinde „hinausspülen“. Wir verlassen dann normalerweise solch eine Gemeinde oder kommen später zur Predigt wieder. In dieser Gemeinde konnte man es aber aushalten und bekam auch keinen Hörschaden von ihrer Musik.

Während ihres „Lobpreises“ empfanden wir (meine Frau, mein Sohn und ich) dennoch nichts außer einer seelischen Begeisterung der Singenden. Vom Geist Gottes war nicht einmal ein kleines Rinnsal zu merken. Ich selbst empfand den Gesang wie eine „klingende Schelle“. Ob Gott so etwas segnet? Als die Lieder aufhörten, betete auch niemand, außer dem Lobpreisleiter. Er sprach ein kurzes „einsames“ Gebet, das immerhin aber von Herzen kam. Es war weiterhin keine Kraft Gottes zu spüren und niemand fühlte sich zu einem Gebet berufen – von Begeisterung ganz zu schweigen. Stattdessen fühlte sich die Sängerin berufen, alle zu einem Freudenschrei zu ermuntern, was dann auch die allermeisten taten. Das fühlte sich etwas aufgesetzt und gezwungen an. Aber hey, tut man so etwas nicht in einer Gemeinde von jungen Leuten?

Auffallend war weiterhin, dass fast nur junge Leute in ihren 20-ern anwesend waren. Der Prediger selbst und seine Frau waren ebenfalls im selben Alter. Nur eine ältere Frau mit grau-weißen Haaren war zu sehen. Aber sie war in keiner Weise in die Leitung des Gottesdienstes eingebunden.

Und ist das nicht wieder typisch für unsere modernen „Laodicea“-Gemeinden? Sie haben fast alle die zwei „goldenen Kälber“, die sie weiterhin anbeten und von denen sie nicht loskommen.
Das eine davon ist der Jugendwahn. Damit meine ich, dass sie junge Leute sammeln und die älteren buchstäblich aussondern. Wenn ältere unter ihnen sind, dann müssen die alles mitmachen, was die jüngeren für wichtig und unverzichtbar halten. Sonst können sie gefälligst wegbleiben. Damit fehlen ihnen aber komplett die Erfahrungen der „Alten“ und ihre Umsicht. Sie haben einfach keine „Ältesten“ unter sich. Väter und Mütter im Glauben sind nirgends zu erkennen und niemand findet das irgendwie verwunderlich. Sie merken gar nicht, was ihnen eigentlich alles fehlt.

Zu ihrem jugendlichen Programm gehört auch immer das zweite „goldene Kalb“, nämlich die Pop-Musik, welche mit einem christlichen Text belegt wird – wobei die Texte ziemlich nichtssagend sind. Letzteres war auch in dieser Gemeinde der Fall. Weil es aber eine “Calvary Chapel”-Gemeinde ist, sind die anderen Pop-Elemente abgeschwächt, d.h. sie haben nur einen abgeschwächten sich ständig wiederholenden Rock-Rhythmus, der Rhythmus ist auch nicht so auffallend im Vordergrund.
Dennoch haben sie die Glauben aufbauenden und in Gottes Gegenwart bringenden Hymnen unserer Vorväter verlassen und wundern sich nun, warum ihre Lieder sie nicht zum gemeinsamen Beten anregen, warum sie nicht so viel mit Gott erleben und warum sie im Alltag ausgesprochen wenig geistliche Kraft haben.

Weit und breit war niemand erkennbar, den man mit Fug und Recht als „Ältesten“ hätte bezeichnen können. Ihnen fehlen komplett Mütter und Väter im Glauben. Dabei heißt es doch:

1. Joh 2, 13: Ich schreibe euch, ihr Väter, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, weil ihr den Bösen überwunden habt. Ich schreibe euch, ihr Kinder, weil ihr den Vater erkannt habt.

1. Tim 1, 2: An Timotheus, [mein] echtes Kind im Glauben: …

1. Kor 4, 17: Timotheus …, der mein geliebtes und treues Kind im Herrn ist; …

Paulus und Johannes halten geistliche Väter für unverzichtbar. Warum gibt es so etwas in modernen Gemeinden nicht mehr? „Kinder“ und „junge Männer“ gibt es schon noch, aber keine „Väter“ mehr – und wenn doch, dann haben die nichts zu melden. Auch in der von uns besuchten Gemeinde sah ich viele „Babys“ im Glauben, einige wenige „Kinder“, vielleicht waren sogar einige davon schon „Jugendliche“, aber Väter? Fehlanzeige. Woher sollen die auch kommen, bei solch einer Gemeindestruktur?

Außerdem fehlen auch die „geistlichen Mütter“ komplett. Heißt es doch:

Tit. 2, 3: „ … dass sich die alten Frauen gleicherweise so verhalten sollen, wie es Heiligen geziemt, dass sie nicht verleumderisch sein sollen, nicht vielem Weingenuss ergeben, sondern solche, die das Gute lehren, damit sie die jungen Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, besonnen zu sein, keusch, häuslich, gütig, und sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird.“

Es sind einfach keine „alten Frauen“ in dem Sinne mehr vorhanden. Wenn mal eine ältere Frau kommt, dann hat sie sich genau so „jugendlich und spritzig“ wie die jüngeren zu verhalten. Sie muss alles mitmachen, was die jungen Leute vorgeben, ansonsten passt sie wohl auch nicht und kann eben bleiben, wo der Pfeffer wächst.

Wie sollen die jungen Mütter dann gelehrt werden, „ihre Männer und ihre Kinder zu lieben“? Wie sollen sie dann „besonnen, keusch, häuslich“ und „gütig“ werden? Sie haben in einer derart von Gott abgekommenen Welt gar keine Chance mehr, „sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird“. Stattdessen wird die Welt und ihre „Werte“ in die Gemeinde hineingetragen und niemand bemerkt es überhaupt. Das besonders Fatale dabei ist, dass Gott sich zurückzieht und deshalb ist auch so wenig geistliche Kraft da – ein Rinnsal nur noch. Immerhin, aber mehr war in dieser Gemeinde auch nicht spürbar.

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Insgesamt hat mich der Besuch einerseits erfreut. Es gibt also immer noch Gemeinden, die sich auf das Wort Gottes zurückbesinnen. Das ist bei der “Calvary Chapel”-Bewegung eindeutig der Fall. Und die von uns besuchte Gemeinde hat da auch einen deutlichen Hang hin, wie allein schon die gehörte Predigt zeigte. Gut so.

Andererseits war ich ehrlich traurig, weil so viele geistliche Babys da waren, die niemals dahin geführt werden, die Kraft Gottes mächtig zu erleben. Sie wachsen nicht oder nur sehr wenig im Glauben, weil ihnen sämtlich Menschen vorstehen, die selbst noch Kinder im Glauben sind. Das hat mich wirklich traurig gemacht. Ihnen fehlt so vieles und sie geben es ja auch selbst zu (wie z.B. hier der Prediger während seiner „Nachpredigt“, s.o.). Dennoch wollen sie sich nicht so weit von der modernen „Laodicea“-Bewegung (s. Offb. 3, 14-22) entfernen und sich auch nicht auf das reiche Erbe unserer Väter im Glauben besinnen. Alles muss jung, spritzig und neu sein. Die gesamte Erfahrungspalette und -vielfalt unserer Glaubensväter wird nicht beachtet. Ziemlich große Teile von Gottes Wort werden einfach ignoriert oder umgedeutet, damit man sich nicht zu weit von der Welt entfernt und nicht von ihr verfolgt wird. Was für ein Unterschied zur Urgemeinde!

Zum Glück gibt es auch noch andere Bewegungen, wie z.B. die Bibelschule von Dr. Spence “Foundations Bible College“ (FBC) in North-Carolina, USA. Hier hat man sich sogar von der sogenannten „Fundamentalistischen Bewegung“ abgesondert und lehrt klar über moderne, „christliche“ Musik. Was für ein Segen, dass es so etwas noch gibt und dass diese Brüder im Glauben einen Einfluss auf heutige Gemeinden und Christen haben. Wäre es nur weitflächiger!

Auch gibt es sehr wohl einige wenige “Calvary Chapel”-Gemeinden, die ziemlich gut stehen. Dazu zähle ich z.B. die von J. D. Farag in Hawaii und die von Jack Hibbs in Chino Hills in Kalifornien, USA. Natürlich weiß ich auch hier nicht, wie sie mit ihrer Musik, ihrem „Lobpreis“ umgehen, aber das will ich auch lieber gar nicht wissen. Da wäre ich wahrscheinlich doch nur wieder enttäuscht. Ein „goldenes Kalb“ werden sie eben einfach nicht los …

Weiterhin kann ich nur wärmstens die Show “Prophecy Watchers” von Gary Stearman empfehlen. Er ist ein echter Vater im Glauben und kann alle, die ihm zuhören, näher zu Jesus führen und im Glauben wachsen lassen.

Ansonsten haben wir alle Zugang zu Youtube und können uns die alten Glaubenshymnen z.B. der Wesley-Brüder, anhören. Ich selbst komme aus der Pfingstbewegung und suche dann oft nach Liedern aus dem „Pfingstjubel“. Diese Lieder haben nicht nur deutsche Texte, sondern bauen sehr auf und haben sowohl vom Text her, als auch von Harmonik, Rhythmik und allen anderen musikalischen Merkmalen eine geistliche Ausrichtung. Sie sind in Jahrhunderten der Auswahl von göttlichem und der Aussonderung von weltlichem Liedgut bewährt und von Gott gesegnet. Schon sehr viele Menschen wurden dadurch geistlich weiter gebracht. Warum führen wir die nicht einfach wieder in unsere Gemeinden ein? Das würde Gott gefallen und uns im Glauben wachsen lassen. Dann hätten wir jedenfalls das eine „goldene Kalb“ beseitigt.

Anschließend sollten wir für Apostel und ihre „echten Kinder im Glauben“ (moderne Timotheus und Titus) beten, die uns wieder Älteste in den Gemeinden bestimmen und uns zurechtbringen. Es gibt sie nämlich, die Väter und Mütter im Glauben. Nur sind sie von den modernen Gemeinden ausgesondert bzw. „weggebissen“ worden. Echte Apostel würden sie finden und wieder einbinden. Nur so könnten wir auch das andere „goldene Kalb“ loswerden und wieder zu Männern und Frauen im Glauben heranwachsen. Möge Gott es schenken!

1 Kommentar zu Über den Verlust der Väter und Mütter im Glauben

  1. Hallo Gerno,
    Danke für diesen Erfahrungsbericht, dem ich nur zustimmen kann. Ich denke sogar noch weiter. Es krankt am gesamten Gemeindesystem, es wird nicht mehr nach echter Jüngerschaft gelehrt und die Leute sollen wenn überhaupt nur Gemeindedienste erfüllen. Und so könnte ich weitermachen..

    Und wenn Du mal wieder in Hamburg bist, komm doch mal vorbei. Wir würden uns freuen. 🙂

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