Von Vorurteilen zwischen Christen

Ohne Gemeinde ist man verloren und geht unter? Oder in Hausgemeinschaften streunen oftmals nur rebellische und psychisch labile Menschen umher? Das sind zwei Aussagen, die ich immer mal wieder höre und es mich drängt dazu etwas sagen zu wollen.

Ohne Gemeinde ist man verloren und geht unter?

Es ist richtig, dass Gott Gemeinschaft möchte, aber zuerst gilt diese Gemeinschaft zwischen den Menschen und Ihm. Gemeinschaft unter Christen ist auch wichtig, wird aber oft überbewertet. Ich bin nunmehr seit drei Jahren ohne inst. Gemeinde und bin noch nicht untergegangen. Im Gegenteil, mein Glaube ist gewachsen und stärker geworden und sogar freier.

Freier, weil ich keinem Kollektiv mehr folgen muss und ich ein unverhüllten Blick auf Jesus bekommen habe. Dogmen aus der inst. Gemeinde, die zuvor mein Blick getrübt haben sind gewichen und siehe da es wurde Licht.

Das alles tatsächlich entscheidende ist die persönliche Beziehung zu Jesus und das man keine verletzte Opposition gegen inst. Gemeinden inne hat. Ich habe auch heute noch gute Kontakte und Freundschaften zu Gemeinden und Werke. Das was jedoch tatsächlich fehlt ist die Gebetsgemeinschaft oder die Hauskreisgemeinschaft, eine Gemeinschaft wo man sich anvertrauen kann und Hilfe und Unterstützung bekommt.

Ich gebe zu, dass dies sehr schwer ist, da ich von Gemeinschaft eine bestimmte Vorstellung habe. Gemeinschaft soll für mich nach dem Vorbild der Urgemeinde erfolgen, wo sie ein Herz und eine Seele waren und alles miteinander teilten. Die Liebe untereinander war so stark sichtbar und darin auch Gottes Vollmacht, das niemand sich zu nähern wagte. Ein zu hoher Anspruch?

Ich denke nicht, wohl eher ein verloren gegangenes Verhaltensmuster der ersten Liebe, welche sich dem Zeitgeist untergeordnet hat. Ich möchte aber Gemeinschaft erleben, die genauso funktioniert und ich halte es auch für machbar und möglich.

In Hausgemeinschaften streunen oftmals nur rebellische und psychisch labile Menschen umher?

Es ist richtig, dass auch wir solche Erfahrungen gemacht haben, aber ich denke nicht mehr als inst. Gemeinden dies auch erleben. Dort fällt es aufgrund der höheren Masse jedoch nicht so stark auf und ins Gewicht. Rebellische Menschen sind oft verletzt und haben das Potenzial eine Gemeinschaft erheblich zu stören. Grade kleine Gruppen sind hier stärker gefährdet weil die Auswirkungen schneller durchschlagen. Leitende Personen sind da sicher schwer herausgefordert und nicht selten gehen solche Gruppen dann auch auseinander.

Ein weiteres Gefahrenpotenzial besteht auch in der Bibelauslegung und auch inst. Gemeinden sind da nicht ausgenommen, letztlich kommt es immer auf den Menschen an, der die Bibel auslegt und vermittelt, ob nun Theologe oder nicht. Der Unterschied besteht in der Größe der Gemeinschaft und darin wie gut leitende Personen sich dagegen zur Wehr setzen können. Zugegeben, eine inst. Gemeinde hat den vermeintlichen Vorteil einer Struktur insbesondere einer Leitungsstruktur. Aber ich habe auch hier schon großes menschliches Versagen erlebt, es wird dann einfach vor den Mitgliedern verschwiegen oder runtergespielt.

Bleibt noch das Potenzial der Normalos, die durchaus vorhanden sind und sich auch organisieren, allerdings sind diese nicht so öffentlich vernetzt wie inst. Gemeinden, Werke und Denominationen. Sie sind oft für sich gehalten und sehen keine Veranlassung sich entsprechend zu vernetzen. Das kann logisch sein, wenn man damit zufrieden und glücklich ist und für viele funktioniert das auch. Findet jedoch Fluktuation statt oder die Leute schwinden aus Altersgründen wird es schon problematischer.

Daher bin ich auch für eine Vernetzung von Hausgemeinschaften in einer offenen Struktur ohne eine Denomination aufrichten zu wollen. Ich würde mir eine simple öffentliche Vernetzung wünschen, um so Möglichkeiten gegenseitiger Hilfen zugänglicher zu machen. Verschiedene Versuche und Angebote bestehen auch schon, aber es ist schwierig diesen Vernetzungsgedanken zu vermitteln.

AnsehenVielleicht bestehen diese Schwierigkeiten auch aufgrund der gegensätzlichen Vorurteile zwischen inst. Gemeinden und Hausgemeinschaften. Negative Erfahrungen auf beiden Seiten prägen das Gesamtbild und verhindern so eine fruchtbares miteinander. Nur weil ich eine andere Form von christlicher Gemeinschaft erleben möchte, bin ich kein verlorener Christ und ich erlebe auch nicht, dass nur Rebellen Hausgemeinschaften besuchen. Ebenso denke ich auch nicht, dass inst. Gemeinden nur aufgrund ihrer Strukturen grundsätzlich nicht ok wären. Im Gegenteil, für viele Menschen ist die inst. Gemeinde ein echter Ort der Begegnung.

Wie können wir solche Vorurteile abbauen?

12 Kommentare zu Von Vorurteilen zwischen Christen

  1. Dieser Artikel geht mir nun schon einige Tage nach und macht Schwierigkeiten. Der letzte Satz lautet:
    Wie können wir solche Vorurteile abbauen?

    Die einfachste Antwort die mir einfiel ist die, gar nicht erst Vorurteile aufbauen. Damit ist aber keine Antwort gegeben. Oder doch?

    Eine der Kernfragen ist, brauchen wir Christen die Gemeinde. Die inst. Gemeinde, Hauskreise, Hauskreisgemeinden und Hausgemeinden? Wenn ich mir diese Worte so ansehe, frage ich mich, was bedeuten sie eigentlich. Aus der Bibel weiß ich, dass Jesus die Gemeinde zu Pfingsten ins Leben gerufen hat. Aber schon diese Jerusalemer Gemeinde hat Jesu Auftrag nicht erfüllt. Was ist Gemeinde eigentlich? Welchen Auftrag muss sie erfüllen? Ist sie Leib Christi. Ist sie Braut. Oder ist man erst dann Gemeinde, wenn man Gemeidezucht durchführen kann, wie es die Theologie sagt?
    Ich Streike hier, denn ich finde keine eindeutige Antwort. Wünsche mir aber, dass andere Personen, die diese Seite besuchen sich aufraffen eine Antwort zu geben.

    Leider werden die hier angestoßenen Themen oft gar nicht oder eben mangelhaft behandelt. Hoffen wir, dass es bei diesem Thema anders ist. Mögen auch von dir Bernd, noch genauere Hinweise und Gedanken zum Thema kommen.

    • Nun, warum gibt es auf der einen Seite Gemeinden mit ihren ewigen Ordnungen und auf der anderen Seite Missionare, die sich irgendwo alleine durchschlagen? Weil beide sich befruchten, die einen bekommen göttliche Wundertaten als Zeugnisse und die geben dann dafür ihr Geld? Wenn wir die Dinge anfangen so eng zu sehen, bekommen wir ein Problem, auch wenn solche Fragen berechtigt zu sein scheinen.

      Die Gemeinde, egal in welcher Form, ist eine unvollkommene Gemeinde. Sie besteht immer zu einem gewissen Grad aus menschlichen Schwächen, Intoleranzen und Vorurteilen, aber auch aus Hingabe und großer Liebe zu Jesus. Wir können uns nur um Versöhnung und Einheit bemühen und das ist schon schwierig genug, bedenkt man allein die Theologischen Unterschiede. So bleibt, dass unser Gott die Seinen kennt und diese ihm nachfolgen und in seiner Kraft wirken.

      Wenn jemand das Evangelium und Jesus als Sohn Gottes bezeugt, scheint dies ein Indikator für seine Echtheit zu sein?

  2. Wenn ich z.B. auf Ephesus sehe, dann sehe ich eine Kirche, Gemeinde und Versammlung. Unterwiesen in den verschiedensten Häusern. Aber eben eine Einheit. Und heute? Zersplitterung auf der ganzen Linie. Jesus ist einer.

    • Ja der Lauf der Welt mit seinem Zeitgeist verschluckt ganze Gemeinden und Konfessionen. Hier erkennen wir das Gleichnis der Zehn Jungfrauen, die einen echten Christen und die anderen falschen Christen, welchen die Tür später verschlossen bleiben wird.

  3. Zum Thema gelesen am: 14.07.2016-07-14
    Zitiert aus dem Andachtsbuch:
    Charles H. Spurgeon
    Das Evangelium des Reiches.
    Betanien 2016-07-14

    Matthäus 16,19
    Und ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

    Das neue Königreich soll nicht geschlossen sein wie Noahs Arche, sondern seine Türe und Schlüssel haben. Zu praktischen Zwecken braucht das Volk Gottes Gemeindezucht und die Macht, Mitglieder aufzunehmen, abzuweisen, zu behalten oder auszuschließen. Von diesen Schlüsseln sagt unser Herr zu Petrus: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches Geben.“ Als der erst unter den Aposteln gebrauchte Petrus diese Schlüssel am Pfingstfest, wo er dreitausend in die Gemeinde einließ; in Jerusalem, als er Ananias und Saphira ausschloss; und im Hause des Kornelius, als er die Heiden zuließ. Unser Herr gab seiner Gemeinde die Macht, innerhalb ihrer Grenzen für Ihn zu regieren. Nicht Türen zumachen, sondern sie zu öffnen oder zu schließen; nicht Gesetze zu machen, sondern ihnen zu gehorchen und darauf zu achten, dass sie befolgt werden. Petrus und die, für welche ersprach, wurden die Verwalter des Herrn Jesus in der Gemeinde, und die Handlungen wurden von ihrem Herrn genehmigt. Noch heute fährt der Herr fort, die Lehren und Handlungen seiner gesendeten Diener, jener Petrusse, welche Stücke des ein Felsen sind, zu genehmigen. Die Urteile seiner Gemeinde, wenn sie richtig gefällt werden, haben seine Bestätigung, so dass sie gültig sind. Die Worte seiner gesandten Diener, die in seinem Namen gesprochen werden, sollen vom Herrn bestätigt werden und weder bezüglich der Verheißungen noch der Drohungen ein bloßes Stück Rednerkunst sein. Als unser Herr hier auf Erden war, nahm Er persönlich Menschen in den auserwählten Kreis seiner Jünger auf, aber am Vorabend seines Scheidens gab Er ihrem Anführer, und damit auch ihnen, die Macht, andere in ihre Zahl aufzunehmen oder sie zu entlassen, wenn sie als unwürdig befunden wurden. So war die Gemeinde bzw. Versammlung gestiftet und ihr verwaltende Gewalt für ihre inneren Angelegenheiten verliehen. Wir können nicht Gesetze geben, aber wir dürfen und müssen die Anordnungen und Gesetze des Herrn verwalten, und das, was wir in der Ausführung des göttlichen Gesetzes in der Gemeinde auf Erden mit Recht tun, wird von unserem Herrn im Himmel bekräftigt. Eine Gemeinde würde bloß eine Täuschung sein und ihre Handlungen eine feierliche Posse, wenn das große Haupt der Gemeinde nicht alles genehmigte, was seinem Gesetzbuch getan wird.
    Wir brauchen nicht ausführlich bei den Ansprüchen des römischen Papstes zu verweilen. Selbst wenn Petrus zum Haupt der Gemeinde gemacht wäre, was hätte das mit dem Bischof von Rom zu tun? Kein vorurteilsfreier Leser der Bibel sieht ein Spur von Papsttum in dieser Stelle. Der Wein des Katholizismus ist nicht aus dieser Traube zu pressen.
    Ende des Zitates.

  4. Nein!
    Ein gläubiger Christ muss nicht zwingend in die Gemeinde gehen. Es geht in erster Linie um die Verbreitung des Evangeliums (Römerbrief). In Der Apostelgeschichte gibt es doch das Beispiel von Phillipus. Dieser wurde beauftragt einem Kämmerer das Evangelium zu erklären. Der Geist Gottes nahm ihn danach sofort weg, ohne das dieser zum Kämmerer sagte:“ Du musst jetzt in diese oder jene Kirche gehen.“ Es geht darum dem Geist Gottes zu gehorchen.

    • Lieber Gast,
      ich stimme dir zu, dass wir nicht zwingend in eine Gemeinde gehen müssen. Wohl aber brauchen wir durchaus auch die Gemeinschaft. Wer reflektiert uns und woher bekommen wir unsere geistliche Nahrung, wenn wir kein Gegenüber haben? Natürlich kann unser Gott in uns auch ohne dem Wirken, aber das ist wohl nicht die Norm, sofern man überhaupt von Normen reden kann. Wenn wir ernstlich und in vollkommener Gemeinschaft mit dem Geist Gottes sind, so können wir solches auch tun wie Phillipus. Aber ich behaupte mal, dass selbst er Gemeinschaft mit anderen Geschwistern hatte.

  5. Exakt, ich bedarf die Geschwister unserer HG, jeden Einzelnen und die Gemeinschaft als solche, um dadurch mich selbst kennen zu lernen. Mein Gegenüber konfrontiert mich………., im Grund mit mir selbst. Und an diesem Punkt kann ich wachsen aus Gnade heraus.

    Ohne ein Gegenüber, wüsste ich nicht, wer ich bin. Einerlei, ob HG-Mitglieder oder welche Zeitgenossen auch immer können hemmenden Einfluss auf meine Beziehung/Begegnung mit Gott haben, oder auch nicht, das zu entscheiden obliegt mir. Ich lebe sozusagen mit dieser „Unfreiheit“ zu meinen, ich wüsste es selbst am besten.

    Der Weg zur Freiheit, auf dem ich lieben lerne ist beschwerlich und dieser Weg führt an der Notwendigkeit Gemeinde nicht vorbei.

    Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier, die Regel der Notwendigkeit.

  6. Erstmal danke, Bernd, für den Artikel. Er spricht mir aus dem Herzen. Ich bin nun auch seit einigen Jahren, seit 7 Jahren „allein“ und muß sagen, das ich im Glauben gewachsen und stärker geworden bin. Als single ist die Sache noch mal eine andere. Aus inst. Gemeinden mußte ich mir dann sagen lassen: Du hast ja als alleinstehende Frau kein Haupt über dir, oder: du bis obdachlos, oder spöttisch: Die ist ihre eigene Gemeinde. Nun bin ich aber mit den Gemeindeformen versöhnt, vermisse aber total die Gemeinschaft! wir brauchen einander! Aber nicht mit Maskerade und mit Oberflächlichkeit! Und das ist leider in Hauskreisen sehr oft so.Da kann ich nicht mehr mit. Sehr gut, deine Bemerkung Bernd, das man erstmal eine eigene Beziehung zu Jesus aufbauen sollte und nicht nur mit der „Herde“ mitlaufen soll. Denn Jesus wird einen später auch nicht fragen: In welcher gemeindeform warst du und hast du auch immer schön den Pastor gefragt?“ Ich glaube auch, das Menschen, damit sie gefestigt werden erstmal in inst. Gemeinden dienen sollten, weil da ein größerer Handlungsspielraum besteht. Dennoch müssen sie lernen, selbständig mit Jesus zu gehen. Und ich glaube auch, das wenn man sich nach Gemeinschaft sehnt, einem der Heilige Geist Menschen zur Seite stellt. Wie gesagt: Wir brauchen einander!

  7. Die Gemeinschaft der Heiligen(Wiedergeborenen) ist notwendig zum Auferbauen, Stärken, Korrigieren, Eermutigen, Wachsen des einzelnen Gläubigen. Wo er dies erfahren kann, sollte er sein. Wo dies nicht gegeben ist, sollte man die Gemeinschaft meiden. Außer einer bibeltreuen Auslegung der Schrift brauche ich auch das persönliche Gespräch über die eigene Nachfolge. Oft war dies nicht möglich und ich bin traurig nachhause gegangen, deshalb gehe ich jetzt dorthin wo ich vorher weis, dass einer da ist, mit dem ich über Glaubensfragen reden kann und nicht nur übers Wetter oder Hobby.

    • Ein sehr wichtiger Punkt, den du da ansprichst. Wie sollen wir unsere Weg in Gott finden, wenn uns niemand dabei hilft? Persönliche Begleitung und Mentoring sollte für jeden Christen offen sein und nicht am Geld hängen. Umsonst haben wir empfangen und umsonst sollen wir es weitergeben. Gott will das alle zur Erkenntnis gelangen, dazu gehört auch das Finden seiner Berufung und Nachfolge. Schön das du einen Weg dazu gefunden hast. 🙂

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


CommentLuv badge