Das Joch Jesu

Mt. 11,28-30
Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und „ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Was bedeutet das Joch Jesu eigentlich und warum ist es leicht und sanft?

Um diese Fragen zu beantworten müssen wir uns ein wenig mit der jüdischen Geschichte befassen, insbesondere mit dem Rabbinertum und deren Schülern.

Süß wie Honig

Die Juden haben stets große Stücke auf ihre Bildung gehalten. Und sie haben schon sehr früh damit angefangen. Jüdische Kinder sind im Alter ab sechs Jahren in der Thora gelehrt worden. Dazu wurden am ersten Schultag ihre Tafeln mit Honig beschmiert, den sie ablecken sollten. Honig war zurzeit Jesu eine Delikatesse und stand für die Gnade Gottes. So sollten sie verinnerlichen, dass Gottes Worte das köstlichste ist was es gibt und etwas ist was sie stets begehren sollten. Wie einst auch Hesekiel die Schriftrolle aß und sie süß wie Honig schmeckte. Und so brachte man die Gnade Gottes und sein Wort mit der damals begehrtesten Sache der Welt zusammen und die Kinder würden sich stets daran erinnern.

Dieser erste Lernprozess wurde Bet Sefer genannt und betraf Kinder zwischen 6 und 10 Jahren. Mit 10 Jahren konnten diese Kinder die Thora auswendig aufsagen.

Wie geht es uns mit Gottes Wort, ist es uns süß wie Honig und begehren wir es? Wie vermitteln wir diese Gnade unseren Kindern, sind wir auch so eifrig und uns im Klaren darüber wie wichtig Gottes Wort für uns und unsere Kinder ist?

Bet Talmud war die weiterführende Stufe von 10 bis 14 Jahren wo die Kinder den Rest der hebräischen Schriften lernten. Somit waren sie mit 14 Jahren in der Lage die gesamte hebräische Schrift auswendig aufzusagen. Zusätzlich waren sie geschult im Fragen und Antworten geben. Dabei fand im jüdischen Umgang eine andere Form des interaktiven Lernens statt. Während unser Bildungssystem auf Lehrfragen die korrekten Antworten erwartet, z. B. 10 +10 ist 20. Hat ein jüdischer Schüler vielleicht mit wieviel ist 20 / 2 geantwortet.

So wurden jüdische Kinder dazu animiert das Gelernte nicht einfach nachzuplappern, sondern tatsächlich zu verarbeiten. Auch Jesus lehrte so mit Gegenfragen und als er im Alter von 12 Jahren einmal in Jerusalem zurückblieb und mit den Rabbis redete, waren alle über seine Weisheit verwundert. Mit 12 Jahren war Jesus selbst im Bet Talmud und war bereits weit gelehrt.

Und so geschieht es auch heute noch in ganz Israel.

Selbst zum Rabbi werden

Hatte man Bet Talmud abgeschlossen, so konnten die Besten nun ins Bet Midrasch kommen. Dieser Prozess war nur für die Besten und sie konnten dadurch selbst zu Rabbis werden. Viele träumten davon selbst Rabbi zu werden, das Rabbinertum jener Zeit war so etwas wie die Eliteuniversität seiner Zeit. Rabbis waren gesellschaftlich hochgeachtet und geehrt, sie waren die geistlichen Leiter.

Die Schüler suchten sich einen solchen hochgeachteten Rabbi und bemühten sich bei ihm um die Aufnahme ins Bet Midrasch. Die Rabbis hatten alle ihre eigenen Auslegungen zur Schrift und sie stritten auch untereinander darum. So z. B. das Sabbatgebot, was war erlaubt und was nicht, wurde durch die Rabbis entschieden. Dieses Erlauben und Verbieten nannte man Binden und Lösen. Als Jesus vom Binden und Lösen sprach, nutze er diese rabbinische Sprache und sagte damit; Ich gebe dir die Vollmacht zu entscheiden was erlaubt ist, und was nicht.

Solche Interpretationen waren das Joch eines Rabbi. Als Jesus also von seinem Joch als sanft und leicht sprach, sagte er damit, dass es bei ihm nicht um endlose Regeln und Gesetze geht. Sondern um Liebe und Freiheit. Diese Aussage muss für die übrigen Rabbiner sehr radikal gewesen sein.

Um ins Bet Midrasch aufgenommen zu werden musste sich der Schüler einen Rabbi suchen und um Aufnahme bitten. Der Rabbi begann nun den Schüler zu prüfen und stellte ihm Fragen. Der Schüler konnte nun diese Fragen einfach beantworten oder er konnte auch mit Vergleichsversen aus der Schrift antworten und so zeigen, dass er gut war. Und so ging es dann hin und her.

Das waren sogenannte Remices, die auch Jesus in seinen Auseinandersetzungen mit den Pharisäern gebrauchte. Also Aussagen bei denen Jesus eigentlich einen Vers davor oder dahinter meinte. Die Pharisäer konnten so die Verse selbst ergänzen und gerieten darüber entsprechend in Aufruhr, so dass sie Jesus umbringen wollten.

Solche Remices waren damals ganz normal und ein Schüler (Talmidin) musste dessen mächtig sein. Da der Rabbi sein Joch weitergeben wollte hielt er nach fähigen Schülern Ausschau. Für den Rabbi war es wichtig zu wissen, ob sein Schüler in der Lage war sein Joch weiterzugeben. Kann er es schaffen, kann er so sein wie ich? Wenn er das bei seinem Schüler fand sagte er; Komm und folge mir nach.

So werden wie sein Rabbi

Der Schüler war noch ein Jugendlicher von maximal 17 Jahren und verließ nun seine Familie und Freunde, seine Schule und seine Synagoge. Er verließ alles, um so zu werden wie sein Rabbi. Fortan folgte er seinen Rabbi überall hin und er machte ihm auch alles nach. Das Leben war nun davon geprägt in allem dem Rabbi gleichzuwerden. Er wollte beten wie sein Rabbi, studieren und lernen wie sein Rabbi, gehen und reden wie sein Rabbi. Rabbiner waren zudem sehr leidenschaftlich und erfinderisch darin, ihre Aussagen zu bekräftigen.

So wurde z. B. in der Synagoge die Schriftrolle gereicht und mit ihr in der Hand durch die Synagoge getanzt. Dabei wurde die Schriftrolle immer wieder von den anwesenden geküsst. Dies sollte die Freude darüber ausdrücken, dass Gott zu ihnen gesprochen hat.

Als Jesus in Lukas 4 in der Synagoge aufstand und ihm die Schriftrolle gereicht wurde, erwartete man von ihm, dass er mit ihr vortanzte.

Die Mischna drückt dies dann noch sehr deutlich aus.

„Mögest Du bedeckt sein vom Staub deines Rabbis. Mögest du dich so sehr bemühen, so zu sein wie dein Rabbi. Mögest du ihm mit so viel Begeisterung und Leidenschaft und Hingabe nachfolgen, dass du so nah hinter deinem Rabbi hergehst, dass dein ganzes Gesicht mit dem Staub des Rabbis bedeckt ist. Mögest du bedeckt sein vom Staub deines Rabbis.“

Es bestand jedoch auch jederzeit die Möglichkeit vom Rabbi abgelehnt zu werden. Er belobigte den Schüler, sagte ihm aber auch, dass er nicht sein Schüler sein könne. Dass er nicht daran glaube, dass der Schüler ihn in seinem Joch tragen könne. In einem solchen Fall wurde der Schüler nach Hause geschickt um das Handwerk seines Vaters zu erlernen, oder eben ein anderes Handwerk.

Jesus und seine Jünger

Das bringt uns nun zu Jesus und seinen Jüngern. Als Jesus in Matthäus 4 Petrus und Andreas zu sich rief, folgten diese sogleich seinen Ruf. Hierin finden wir gleich zweierlei Bedeutungen wieder. Die Jünger, hier im elterlichen Handwerk, waren wohl möglicherweise ausgemusterte Schüler. Und als Jesus sie rief; Komm und folge mir nach. Verstanden sie sofort, dass hier ein Rabbi war der an sie glaubte. Ja ihnen zutraute, dass sie so sein können wie er. Das gleiche geschah dann auch mit den anderen Jüngern.

Zum anderen finden wir darin natürlich den Ruf an die heidnische Welt wieder.

Ein neues Joch

Die Rabbiner jener Zeit predigten das Joch eines anderen Rabbis. So stellten sie sich auch vor, indem sie z. B. sagten; Ich predige das von Simon Lakesch oder von Ben Jakob. Hin und wieder tauchte aber auch jemand mit einem neuen Joch auf. Ein solcher Rabbi hat Schmiha (Vollmacht). Seine Sätze fingen dann oft so an; Ihr habt gehört das euch gesagt wurde…Ich aber sage euch…

Das kennen wir von Jesus, der auch so lehrte.

Das Volk war begierig darauf, einen solchen Rabbi mit Vollmacht zu hören. Ja sie liefen kilometerweit um ihn zu hören. Und als die Pharisäer ihn fragten woher er seine Vollmacht hatte, gab Jesus zur Antwort, dass er diese hätte. Im jüdischen Gebrauch wurde die Vollmacht eines Rabbis durch Handauflegen zweier vollmächtiger Rabbis dessen Vollmacht bestätigen. Doch woher hatte Jesus diese zwei Stimmen?

Bei seiner Taufe bekam er die Stimme von Johannes und von Gott selbst, beide bestätigten seine Vollmacht. Auf die Frage der Pharisäer woher er seine Vollmacht hat, antwortet Jesus mit einer Gegenfrage; Woher hat Johannes seine Vollmacht?

Auf dem Wasser gehen

In Matthäus 14 lesen wir von der Begebenheit, als Jesus auf dem See geht und die Jünger ihn dabei auf dem See erblicken. Zu jener Zeit war Wasser der Abgrund des Bösen und man fürchtete stehendes Gewässer. Als Jesus einen Besessenen heilte, fuhren die Dämonen in die Schweine und stürzten sich in den See. Dies ist auch ein Grund warum man noch heute auf dem See Genezareth keinen Menschen Wasserski fahren sieht. Und so hielten die Jünger Jesus zunächst für ein Gespenst.

Jetzt wird es interessant, vor dem Hintergrund seinem Rabbi gleichzuwerden kommt Petrus in die Not es ihm gleich machen zu wollen. Und Jesus ermutigt ihn auch, so dass Petrus es tatsächlich wagte. Doch seine Furcht überwiegte dann und er begann zu versinken. Jesus tadelt ihn dann für seinen Kleinglauben.

Es war jedoch kein Kleinglauben an Jesus, sondern ein Kleinglauben an sich selbst. Er verlor den Mut und die Zuversicht, welches wir auch von uns kennen, wenn wir in Bereiche großer Not kommen, drohen auch wir zu versinken. Doch Jesus reicht uns die Hand und zieht uns wieder rauf. Er glaubt an uns und weiß, dass wir es schaffen können, denn er hat uns berufen so zu sein wie er.

Die Jünger-das B-Team

Wir können davon ausgehen, dass die Jünger, bis auf Petrus alle noch Teenager waren. Durch die Spielfilme etc. haben wir ein völlig falsches Bild davon, dort sind alle um die 30 und mit langen Bärten. Die Lebenserwartung lag aber grade mal bei 30-40 Jahren und die Jünger sollten ja später noch als Apostel lange Zeit dienen. Also müssen wir unser Bild hier korrigieren. Einzig Petrus war älter, er hatte eine Schwiegermutter und war demzufolge bereits verheiratet.

Zudem finden wir in der Bibel den Hinweis auf die Tempelsteuer, welche erst von Männern ab 20 Jahren verlangt wurden. Jesus fragte einmal Petrus ob sie beide die Tempelsteuer bezahlen müssten. Es war auch üblich, dass ein Rabbi einen älteren Schüler unter sich hatte.

Diese jugendlichen, die wahrscheinlich von anderen Rabbis nicht angenommen waren, wurden nun von Jesus gerufen seine Schüler zu sein. Diese jungen Leute, die voller Ideale waren und nun von Jesus ausgebildet wurden, die Welt zu verändern. Sie waren die zweite Wahl, die B-Mannschaft, so auch wir. Egal wo wir herkommen und was wir sind oder waren.

Jesus glaubt an uns, dass wir so sein können wie er.

Hierapolis- das Las Vegas im ersten Jahrhundert n. Chr.

Hierapolis war eine moderne reiche Stadt unter dem damaligen Kaiser Domitian. Es gab Bäder, Bordelle und Glückspiel. Wer in diese Stadt hineinwollte musste den Kaiser Domitian als Gott anerkennen. Dies geschah in dem man unter das Domitian-Tor am Eingang der Stadt hindurchging.

Philippus

Wir schauen kurz zurück auf die Berufung des Philippus. Im Johannesevangelium Kapitel 1 wird beschrieben, wie Philippus als Jünger Jesu berufen wird. Er selbst kam aus einem kleinen Fischerdorf namens Betsaida mit grade mal 600 Einwohnern. Philippus war zu jener Zeit um die 15 Jahre alt und man muss bedenken, dass die Lebenserwartung bei 30 bis 40 Jahren lag. Und mit 20/25 Jahren hatten die meisten schon keine Zähne mehr, weil die Ernährung so schlecht war. Diesen jungen Philippus aus einen unbedeutenden Nest hat Jesus als einem seinem Jünger berufen.

Philippus in Hierapolis

Später nachdem die Jünger selbst als Apostel umherzogen, zog auch Philippus aus und kam mit seiner Familie nach Hierapolis. Doch er weigerte sich unter das Domitian-Tor hindurchzugehen, was der Ablehnung Domitian als Gott gleichkam. Er und seine Familie wurden noch vor Ort gekreuzigt. Diese Kreuzigung wurde jedoch zum Zeugnis seiner Zeit und so wurde Hierapolis ein blühendes Zentrum christlichen Glaubens.

Philippus glaubte, dass er wie sein Rabbi sein kann und sein Joch tragen konnte.

Jesus war ein Rabbi

Jesus war ein Rabbi der sich seine Schüler selbst erwählte und diese auf sein Joch vorbereitete. Das Joch stellt dabei die Verbindung zwischen Rabbi und Schüler her und zeigt uns die tiefe und feste Verbundenheit der beiden. Das Joch bezeichnet hier die Berufung und die Aufgabe, es weiterzutragen und im Sinne seines Meisters fortzuführen.

Unser Rabbi Jesus sucht das Verlorene, die gepeinigten, die Sünder, die von der Gesellschaft geächteten Menschen. Sein Ausspruch; Komm und folge mir nach, gilt auch heute noch, insbesondere für uns Christen.

Wenn Du Jesus kennst, glaubt er an dich, dass Du so sein kannst wie er, dass Du sogar größere Wunder tun kannst als er. In seinem Joch sind wir getragen und geliebte Kinder Gottes. Auch wenn wir Leid ertragen müssen, sind wir doch voller Leben. Selbst wenn uns Tod und Verfolgung trifft, sind wir voller Zuversicht und Hoffnung.

Denn sein Joch ist sanft und leicht, in allem von Gott getragen.

Amen

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